Gaias Zorn und der Frühstückskaffee

Jetzt ist klar, warum Greta Thunberg nicht nach Sharm el Sheikh gefahren ist. Und sie hatte recht. Eine Schande, sich derart an die Öl- und Gaskonzerne zu verkaufen. Die Katastrophe steht vor der Tür und die Politik tanzt mit denen, die Öl ins Feuer gießen. Katastrophen-Aktivisten könnte man ihnen allen nachrufen. Nachbrüllen. So gesehen nicht Schande, sondern Verbrechen. Ein unglaubliches Verbrechen. Letztendlich wird sich Gaia von ihrer anderen Seite zeigen und die Plage schlicht vernichten.

Und was heißt das für unseren kleinen persönlichen Alltag? Wenn die Maßnahmen nicht massiv verstärkt werden, wird es bereits 2050 keinen Kaffee mehr geben. Wollen wir das?

Jetzt mach ich ausnahmsweise Werbung. Wenn wir nämlich weiterhin Kaffee zum Frühstück genießen wollen, schaffen wir das nur gemeinsam. Du und ich, sie und ihr und wir alle. Zivilgesellschaftlich geschieht schon eine ganze Menge, in der Bandbreite von strukturell gut eingebundenen Initiativen bis hin zu Aktionismen am Rande der Legalität. Vom Volksbegehren gefordert und der Politik eingesetzt der österreichische Klimarat bis zu den aktuellen Aktionen der Letzten Generation auf Straßen und in Museen. Dazwischen bieten eine ganze Reihe von kleineren und größeren Vereinen und Inititativen Möglichkeiten, sich persönlich zu engagieren.

Zum Beispielt bei einer der 15 Allianzen von Fridays For Future:
Artists For Future
Austria Guides For Future
Coaches For Future
Doctors For Future
Entrepreneur For Future
Grandparents For Future
Museums For Future
Parents For Future
Psychologists For Future
Religions For Future
Scientists For Future
Scouts For Future
Seniors For Future
Teachers For Future
Workers For Future

oder bei:
Klimavolksbegehren,
Extinction Rebellion,
Rettet die Lobau
Radeln For Future
Hallo Klima

Eine äußerst umfangreiche Auflistung der Klimaschutz-Initiativen in Österreich findest du hier:
Plattform für Klimakommunikation

Attac zur Energiekrise

„Energiemärkte hinterfragen,
Regulierung schaffen“


Passend zum letzten Beitrag hat sich attac zur Energiekrise geäußert und stellt die grundsätzliche Frage:
„Warum zum Teufel liefern wir unsere Energie, unsere Daseinsvorsorge, solch riskanten Mechanismen wie spekulationsgetriebenen Finanzmärkten aus?“

Solange genügend und günstige Energie verfügbar ist, macht ein freier Markt wenig Probleme. In Krisenzeiten ist ein liberalisierter Energiemarkt jedoch nicht ‚gesellschaftsfähig‘. Er bringt den Wenigen eklatante Profite und bittet die Vielen zur Kasse. Das heißt nicht nur, dass man halt ein bisschen mehr für Energie bezahlt, sondern kann für viele ‚Geringverdienende‘ massive Probleme schaffen, bis hin zur existentiellen Bedrohung.

Aktuell haben Krieg und Klima für die fossile Energiewirtschaft eine veritable Krise verursacht. Attac analysiert die Situation und bringt Lösungsvorschläge: „Private und öffentliche Energieversorger sollten in gemeinnützige Gesellschaftsformen überführt werden, deren Hauptziel die Versorgung der Bevölkerung ist. Wichtig ist dabei auch die Förderung von dezentralen, erneuerbaren Energieproduzentinnen wie Bürgerinnenkraftwerke, kommunalen Energiegenossenschaften und Stadtwerken.“

Informationen und Lösungsvorschläge zur aktuellen Energiewirtschaftskrise inkl. weiterführender links und einer Diskussion auf standard.at mit Lisa Mittendrein (attac) findest du im aktuellen
Attac-Newsletter.


Die Petition für die Umsetzung der 93 vom Klimarat erarbeiteten Empfehlungen, um bis 2040 Klimaneutralität zu erreichen, kannst du hier unterschreiben.

Gierschlund Börse

Weder Göttliches
noch Naturgesetz


Alle starren wir auf die wildwuchernden Preisentwicklungen am Energiesektor und sorgen uns über die nächste Rechnung und den kommenden Winter. Sprünge von 700€ auf 1000€ von 150€ auf 1000€ – so etwas sei noch nie dagewesen. Unternehmen und Verbraucher:innen suchen Strategien, damit umzugehen. Von Information bis zum Klagen und Beschuldigen findet man im Netz alles, sogar Tipps, in welche Aktien man jetzt investieren sollte, weil diese von der fulminanten Berg und Talfahrt profitieren.

Kommt noch die jüngste Affäre von Wien Energie dazu, die man noch so logisch erklären kann, für die einfache Bürger:in bleibt es unverständlich. Egal weches Unternehmen wie viele Milliarden Kredit bekommt, welches Unternehmen wie viele Milliarden Übergewinn macht – letztendlich zahlen die Verbraucher:innen. Ab morgen 97% mehr. Und übermorgen?

Was man im Netz und auch in den Medien allerdings nicht findet: Kritik am Börsensystem so wie es derzeit bespielt wird. Es wird immer nur auf die Börsendynamik reagiert, diese selbst aber nie in Zweifel gezogen. Man tut so als ob es sich um unabänderliche Naturgesetze handle oder andersherum etwas von Gott Geschaffenes. Das gehört zum System. Worüber man nicht spricht, nicht sprechen darf und kann, darüber lässt sich auch nicht nachdenken, nicht reflektieren oder kritisieren.

Die Idee von Gestaltbarkeit oder Veränderung kommt nicht mal in die Nähe des Denkbaren. Es bleibt außerhalb der Wahrnehmungssphäre. Versucht man seinen Blick dorthin zu richten, sieht man – nichts. So sei es. Genau das will die Neoliberale Totalität. Ihre Grundannahmen dürfen nicht hinterfragt und daher am besten gar nicht als solche wahrgenommen werden.

Und wir – wir starren fassungslos auf unsere Stromrechnung und verstehen die Welt nicht mehr.

Empathisch-demokratische Ökonomie

‚Sorgearbeit‘ für das Klima hat heute oberste Priorität. Wenn wir die Biosphäre  der Erde zerstören, geht gar nix mehr.

Das Übel liegt in der Art und Weise unserer Ökonomie, als Ausdruck unserer Überzeugungen, Einstellungen und Haltungen, Ökonomie als Teil der ‚angewandten Weltanschauung‘. Erde, Tier- und Pflanzenreich und auch Menschen werden als Objekte gesehen, die für wirtschaftliche Interessen ausbeutbar sind.

In den letzten Jahrzehnten hat sich zusätzlich die Supralogik der Gewinnmaximierung herausgebildet, der unabhängig von den Folgen alles andere untergeordnet wird. Zweck der Ökonomie ist es nicht mehr, die wichtigsten Bedürfnisse der Menschen abzudecken, sondern Zweck der Menschen ist es, den Unternehmen Profit zu bringen. Menschen wurden zur bloßen Funktion einer gewinnmaximierenden Wirtschaft.

Sorgearbeit für das Klima würde eine Änderung dieser Grundhaltung bedeuten. Erde und alles was auf ihr lebt und blüht, ist nicht Objekt sondern Subjekt. Erde ist Subjekt mit und in dem wir leben, in Verbundenheit und ständigem Stoffwechsel. Sie braucht Wertschätzung und Empathie genauso wie wir.

Menschen haben Macht. Sie haben die Macht, Erde und Leben Gewalt anzutun. Sie haben aber auch die Macht, mit Erde und Leben in wertschätzendem Miteinander zu leben. Die Erde kann auch ohne uns, aber wir nicht ohne sie. Wir sollten sie respektvoll behandeln.

Damit ist eines klar: Grundlage einer empathisch-demokratischen Ökonomie ist das System Erde und seine Grenzen. Ökonomie sollte für die Grundbedürfnisse der Menschen da sein, wenn möglich auch darüber hinaus, aber immer mit Blick auf das Wohl des ungeteilten Ganzen von Natur und Kultur, dem System Erde.

Heisl Dialog

Wisch und Weg
oder
Respekt und Anerkennung

Foto Ingo Josepf von pexels

Es ist das Vorrecht der Jungen aufzuschreien, wenn sie Unrecht sehen, ohne sich lange über Formulierungen Gedanken zu machen. Die honorigen Verantwortungsträger der politischen Führung stehen in ihrer Funktion jedoch in der Pflicht, besonnen, vernünftig und korrekt zu handeln – und vor allem verantwortungsvoll.

Einige führende SPÖ-Funktionäre lassen diese Eigenschaften derzeit schmerzlich vermissen, im Gegenteil, sie begeben sich auf ein sprachliches Niveau, das man sonst eher aus anderen Kreisen kennt. Die „Grünen und ganzen anderen Heisln da draußen“ – so sprach’s am Parteitag und mit einem Wisch sind Politiker:innen und politisch Andersdenkende pauschal entwertet. Mitgemeint auch die Wissenschaft, im Besonderen Wissenschaftler:innen von Scientists for Future, die einen Tag zuvor einen öffentlichen Brief an die SPÖ formuliert haben – detailliert, sachlich fundiert und korrekt formuliert.

Wenn der Bürgermeister dann meint, es sollte doch mehr um die Inhalte gehen (Kronenzeitung), wäre er gut beraten, eben jenen offenen Brief zu lesen. Dort geht es nämlich um Inhalte und nicht, wie zumindest bei einigen lärmenden SPÖ Funktionären um Herabwürdigung und Entwertung.

Meinungsvielfalt, Diskussion und Dialog sind die Substanz demokratischer Kultur und somit auch der Sozialdemokratie. Für konstruktive Gespräche braucht es aber eine Atmosphäre des Respekts und der gegenseitigen Anerkennung. Es wäre Aufgabe der Politik für Rahmenbedingungen zu sorgen, die auch bei gegensätzlichen Positionen ein konstruktives Miteinander ermöglichen. Nur so ist eine Krise in der Dimension der Klimakrise bewältigbar.