Keine Stadtautobahn! Auto-Autobahn-Bahn?

Heute in einem Auto mitgefahren. 1 Stunde hin, Wien-Dorf, am Abend 1 Stunde zurück, Dorf-Wien. Schon ewig nicht mehr so lange in einem Auto gesessen. Beeindruckend war vor allem die Rückfahrt. Schon auf der Bundesstraße viel Verkehr, auf der Autobahn noch mehr und dann die Stadtautobahn. Drei Spuren rote Licher soweit man sehen kann, auf der anderen Seite drei Spuren weiße Lichter soweit man sehen kann.

Samstag 20.00 Uhr. Ich hätte nie gedacht, dass um diese Zeit so viele Autos unterwegs sind. Versteh’s auch nicht. Samstag Abend, wo fahren die alle hin? Stadtein- stadtaus. Unglaublich. Mich beschleicht ein mulmiges Gefühl: Das schaffen wir nie.

Offensichtlich mit größter Selbstverständlichkeit wird hier mit PKWs hin und hergefahren was das Zeug hält. Kein Berufsverkehr. Die müssen nicht pünktlich in der Arbeit erscheinen. So viele Samstag-Nachtarbeiter:innen kann es nicht geben. Also was tun die alle da. Woher und wohin fahren sie?

Die Selbstverständlichkeit des PKWs scheint mir keine Frage von funktioneller Notwendigkeit zu sein, sondern eine Frage des Bewußteins, der Lebensweise. Über Jahrzehnte haben wir uns an den PKW gewöhnt, es war und ist eine Statusfrage, wer welche Marke fährt, hatte und hat mit Identitätsgefühl zu tun. Wir haben unser Auto ins Herz geschlossen, ihm Cosenamen gegeben und fühlen uns mit ihm auf eigenartige Weise innerlich verbunden. Als ob es Teil des Ichs wäre. Mein ‚Schurli‘ steht vor meiner Haustüre und kann mich jederzeit hinbringen, wo immer ich hin will. Was sollte ich bloß ohne ihn tun. My Car is my Freedom.

Erst dachte ich an die Bahn, man müsse das Bahnnetz so umfänglich ausbauen, dass man auch auf dem Land nicht unbedingt einen PKW braucht. Vielleicht auch, weil wir zuerst zu fünft im Auto waren und einer von uns dann in die Bahn umgestiegen ist. Ihm wird übel, wenn er nicht selber fährt. Mit den gegenwärtigen Möglichkeiten scheint ein Auto in vielen Gegenden unentbehrlich, aber die Bahn so sehr ausbauen, das würde viel zu lange dauern und wäre auch kaum durchführbar.

Wieso nicht die Infrastruktur nutzen, die schon vorhanden ist, das Straßennetz. Alles E-Autos? Auch nicht die Lösung. Was allein die Herstellung eines SUV an Ressourcen verbraucht. Auch die kleineren Wagen entstehen nicht einfach so. Und der Strom muss woher kommen, der Ausbau erneuerbarer Energiequellen scheint derzeit eher gehbehindert.

E-Busse? Wäre schon ein Schritt weiter und automatisch eine Reduktion des Verkehsaufkommens und damit auch des Energiebedarfs. Ein Auto wäre dann nicht mehr nur für eine oder zwei Personen da, selten sitzen mehr drin, sondern für 10 oder 20 oder mehr. Die Städte wären praktisch frei von parkenden Autos, mehr Fläche für die Menschen, für Bäume, Grünflächen und Fahrradwege. Wie leise es wäre, keine aufjaulenden Motoren, Verkehrslärm gegen Null, weniger Hitze, bessere Luft, weniger Feinstaub. Eine gesunde und lebenswerte Stadt.

Die Busse fahren überall hin, regelmäßig im 10 Minuten Takt, Klein- und Linienbusse und auf Abruf Taxis, oder Sammeltaxis. Von Wien in die Dörfer, von Dorf zu Dorf und von Dorf nach Wien sowie zum Badesee oder irgendwo auf’s Land. Kostenfrei. Geld ist genug vorhanden. Nur die Priorität der Verteilung müsste sich ändern.

Könnte funktionieren, wenn, ja wenn wir etwas an unserer Lebensweise ändern. Wir müssten ‚Schurli‘ aufgeben. Unsere Grenzen, unser Identitätsgefühl und auch das gefühlte Freiheitsverständnis müsste sich ändern. Eine wurzeltiefe Änderung der Lebensweise, des Lebensgefühls, des Ichgefühls. ‚Schurli‘ wäre nur noch im Familienalbum nett anzusehen. Und die Ölkonzerne blieben außen vor. Dazu bräuchten wir keine weiteren Autobahnen, wir haben genug davon. Und wenn nicht mehr jede Einzelperson mit Schurli, Speedy, Baby oder Herbie fährt, wären sowieso viel weniger Autos unterwegs.

Auch ohne diese Vision, brauchen wir aktuell keine neuen Autobahnen. Wenn Energie- und Verkehrswende nicht nur Wörter sind, die im Äther verpuffen oder in der Schublade verschwinden, dann könnten wir zumindest damit aufhören, das veraltete System weiter auszubauen. Schon gar nicht noch mehr Autobahnen bauen und erst recht nicht so sinnlose verstaubte Projekte wie die Lobauautobahn. Sie würde auf mehreren Ebenen nur Schäden anrichten, Milliarden kosten und fruchtbares Land vernichten. Stopp dem Weiter-wie-bisher.

Keine weitere Stadtautobahn.
Raddemo am 2. Okt 2026
Radeln For Future:

„Am 2. Oktober erobern wir die Nordbrücke auf der A22! Die Regierungen im Bund und den Ländern betreiben seit Jahren nur Scheinklimaschutz. Das zuletzt beschlossene, zahnlose Klimagesetz ist nur ein weiteres Beispiel dafür. Statt wirksamen Klimaschutzes werden weiter Autobahnen gebaut. Der Hitze- und Dürresommer hat allerdings gezeigt, welche Zukunft uns in der Klimakatastrophe mit dem Weiter-wie-bisher erwartet.
Wir fordern stattdessen zukunftsfitte Politik!

Allle Infos hier

Die Parallelität der Ausbeutung.

‚Ausbeutung‘ könnte fast als Überschrift für die Zeit der Industrialisierung bis heute dienen. Die beginnende exzessive Ausbeutung der Erdressourcen war verbunden mit der exzessiven Ausbeutung von Menschen und Tieren. Und – je mehr Wohlstand umso mehr Ausbeutung.

Aktuell bedeutet die Ausbeutung der Erdressourcen und deren Verbrauch eine massive Schwächung des Erdsystems und rasch eskalierende Änderung des globalen Klimas. Ein Vorgang, der im Sommer 2026 für alle spür- und erlebbar wurde. Darüber gilt, mit Ausnahme der notorischen Klimawandelleugner:innen, allgemeiner Konsens in Wissenschaft und Bevölkerung. Was man dagegen tun könnte, ist wieder eine andere Frage und was noch zu erwarten ist, auch darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Wissenschaft meint, dieser Sommer war nur ein Vorgeschmack von dem, was noch kommt.

Ausbeutung der Erdressourcen – hohe Gewinne für einige wenige – Zerstörung der Biosphäre.
Ausbeutung der Emotionen der Menschen – Stimmengewinne der Rechtsextremen – Zerstörung der Demokratie.

Zwei Ausbeutungsfelder, die parallel laufen und sich gegenseitig antreiben. Die Zerstörung der Biosphäre befördert eine allgemeine, diffuse Unsicherheit und erzeugt Ängste, die oft mehr oder weniger unbewusst auf andere Objekte verschoben werden, wenn man sich nicht aktiv mit dem Thema auseinandersetzt. Ängste machen Menschen anfällig für die Ausbeutung durch Rechtsextreme, die gezielt damit arbeiten, einfache Lösungen anbieten und einen Schuldigen präsentieren. Rechtsextreme halten nichts von Klimaschutz, was wiederum die Zerstörung der Biosphäre antreibt, was wiederum Unsicherheit und Ängste verstärkt, was Menschen wiederum in die Fänge der Rechtsextremen treibt, usw. usw. Strudel Strudel. Je mehr Macht Rechtsextreme haben, ein Rundblick genügt, umso weniger Mittel für den Klimaschutz, im Gegenteil, Förderung fossiler Brennstoffe meistens inklusive.

Viele beschäftigt weniger das Klima als die Teuerung, die Lebensqualitäten spürbar einschränken kann. Wenn Mitte Monat überlegt werden muss ob Essen für die Kinder kaufen oder Strom bezahlen, geht es an die Substanz. Existentielle Unsicherheit kann Menschen in den oben geschilderten Strudel treiben. Die Teuerung. Die Teuerung, die durch einen Engpaß fossiler Energien entsteht und – durch unsere Abängigkeit davon. Die noch immer andauernde Abhängigkeit von Fossilen entsteht durch zu wenig Klimaschutz, zu wenig Ausbau der Erneuerbaren, und – durch zu hohen konsumellen Verbrauch. Die Straße von Hormus könnte uns wurst sein, wenn wir genügend Strom aus Wasser, Wind und Sonne erzeugen und den Verbrauch ein wenig einschränken.

Rechtsaußen bietet einfache, wenn auch frei erfundene Lösungen an. Je schlimmer die Situation, umso größer die Bereitschaft der Menschen, zu verdrängen und an etwas zu glauben, das ihnen scheinbar Sicherheit und Orientierung bieten kann. Ob realistisch oder nicht, spielt keine Rolle. Gut erzählt ist halb gewonnen. Der Glaube macht mich sicher.

Wenn wir für das Klima auf die Straße gehen, gehen wir auch für die Demokratie, und wenn für die Demokratie, gehen wir auch für das Klima auf die Straße. Und man wird uns noch oft dort finden. Viele von uns. Immer mehr.

Ich mach‘ meine Augen zu – du siehst mich nicht.

Dem ORF-Sommergespräch mit Bundeskanzler Stocker am Montag 31.August 2026 waren insgesamt 117 Minuten Sendezeit gewidmet (Sommergespräch, Analyse in der ZIB2, Sommernachgespräch auf ORFIII). 117 Minuten. Knapp 4 Minuten davon waren dem Thema Klimawandel gewidmet. Knapp 4 Minuten im Gespräch selbst, in den Folgesendungen gab es nur Erwähnungen des Klimawandels in verschiedenen Kontexten, aber keine Diskussion darüber.

Die 4 Minuten waren auch dadurch bedingt, dass das Thema Klima ganz am Ende des Gesprächs angesprochen wurde, so dass gar nicht länger darüber gesprochen werden konnte, weil die Sendung aus war. Am Ende. Ich geh mal davon aus, dass die Planung der Themen eines Sommergesprächs nicht rein zufällig passiert, sondern dass sich ORF Mitarbeiter:innen darüber Gedanken gemacht haben, was wird zuerst angesprochen, was später und was am Ende. So viel Professionalität wird man dem ORF zugestehen. Daraus ergibt sich jedoch die Frage: Welche Gründe führten dazu, das Thema Klima in den letzten Minuten zu platzieren, so dass gar nicht länger als 4 Minuten darüber gesprochen werden konnte. Ideen dazu bitte in den Kommentaren. Die beste Idee wird im nächsten Beitrag lobend erwähnt.

Stocker gab sich persönlich. Er habe gerade ein Enkelkind bekommen und wolle Zukunftspolitik für Kinder und Enkelkinder in die Welt bringen, sprach immer wieder von zukunftsfroher Politik. Zum Beispiel Depotsparen für Kinder: „… dass für Kinder, die geboren werden, nächstes Jahr, wenn das in Kraft tritt, …, ein Zukunftsdepot möglich wird, das heißt, es soll spesenfrei, gebührenfrei und steuerfrei sein,  und die Einzahlungen auf dieses Zukunftsdepot können bis zu 5000 Euro pro Jahr betragen. …“ Sind die Kinder 18 Jahre alt, wird das Geld ausbezahlt und sie freuen sich.

2027 plus 18 Jahre, da sind wir im Jahr 2045. Wenn wir mit dem Klimaschutz so weitertun wie bisher, wird es in 18 Jahren kaum noch etwas geben, wofür Stockers Enkelkinder ihr Geld ausgeben könnten. Die Erde wird von Unwettern, Hitzeperioden, Trockenheit, Ernteausfällen, Waldbränden, Überschwemmungen, Gletscherfelsabbrüchen, Vermurungen, etc. gezeichnet sein. Und von Kriegen um Wasser und fruchtbare Böden. Kriegen um das bloße Überleben.

Und wie stellt sich der Kanzler das vor? „… vor allem mach ich Politik für die nächste Generation … dass die jungen Menschen eine gute Zukunft haben … naja, der Standort bestimmt halt oft den Standpunkt … wir können nicht Klima gegen Wirtschaft ausspielen … es gibt eine Standortklausel … wichtig ist mir, dass wir eine Klimaanpassung vorgesehen haben, wir werden mit steigenden Temperaturen leben müssen … das Verbot, CO2 zu lagern, müssen wir aufheben, wie viele andere Dinge auch …“

Das eine sind des Kanzlers Aussagen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, das andere ist der Umgang des ORF damit – man könnte sich die Haare ausraufen. Ja genau. Angesichts der Demontage jeglicher Ernsthaftigkeit bezüglich Klimaschutz am Montag 31.08.2026 im ORF könnte man sich noch die letzten Haare vom Kopf zupfen oder gleich in die Donau springen.

Wollen wir aber nicht.

Wir gehen lieber gegen die Verantwortungslosigkeit dieser Regierung demonstrieren.

6. Sept. 2026 um 10.00 Uhr am Ballhausplatz.

Klimaschutzgesetz, Entsiegelung, Renaturierung.

Alle Infos hier.

Ist da jemand ???

Leider nein!
Kein Minister.
Keine Regierung.

Obwohl wir vor kurzem Minister Totschnig in der ZIB2 sehen und hören konnten, war von einem Politiker, der Verantwortung übernimmt weit und breit nichts zu sehen. Von ihm nicht und auch von der Regierung nicht. Menschen sterben an der Hitze, Flüsse trocknen aus, Wälder brennen, Ernten verdorren, Vieh muss notgeschlachtet werden. Bei einer Krise dieses Ausmaßes hätte längst ein Krisenstab eingesetzt werden müssen. Anstattdessen wird darüber gestritten, wie man den Landwirt:innen die Schäden monetär abgelten soll. Sie nennen es Verhandeln. Bei einem (nur bist jetzt) Schaden von einer Milliarde Euro. Angesichts einer solchen Ignoranz könnte man glatt aus der Haut fahren.

ZIB2: „So überraschend wie sie sie sagen ist es nicht, Experten haben es vorausgesagt, warum hat das Ministerium sich nicht schon viel früher auf diese Szenarien vorbereitet?“
Minister: „Sie haben recht, der Klimawandel ist in der Land- und Forstwirtschaft eine Realität, wir beobachten das seit vielen Jahren, … „
ZIB2: „Und trotzdem hat das Ministerium kein eigenes Konzept und kann sagen, so können wir den betroffenen Landwirt.innen helfen.“
Minister: „Wenn die Hälfte des Futters fehlt, dann müssen sie zukaufen. [… nennt Beispiel aus Tirol …] dem fehlt die Hälfte der Ernte, das heißt er muss einen Betrag von über 10.000 Euro Futter zukaufen, schafft er das nicht, muss er bis zu einem drittel des Rinderbestandes abbauen. Deshalb haben wir auch den Stau vor den Schlachthäusern derzeit.“
ZIB2: „Aber lassen Sie diese Landwirte als Regierung jetzt alleine, oder wollen Sie ihnen unter die Arme greifen.“
Minister: „Genau das wollen wir nicht. Wir wollen deswegen alle noch einmal zusätzlich unterstützen, weil das Ausmaß einfach so groß ist.“
ZIB2: „Aber wie?“
Minister: „Über das verhandeln wir grad, ich hab da Vorstellungen, dass wir z.B. Betriebsmittelkredite zur Verfügung stellen […] wir wollen auch darüber nachdenken, wie wir im Bereich der Sozialversicherung entlasten können […]
ZIB2: „Wann soll das konkret kommen?“
Minister: „Wir haben die Vorschläge diskutiert, aber klar ist wir brauchen in den nächsten Tagen finale Entscheidungen, die Bauern und Bäuerinnen warten auf eine Antwort…“

Jetzt is aber genug. Das gesamte Interview lang beantwortet der Minsiter kaum eine Frage, redet herum, spricht von einer historischen Katastrophe, mit der niemand gerechnet habe (!). Seit Jahrzehnten wussten ‚wir‘ es, in der Bevölkerung zum Großteil erst in den letzten 10 bis 20 Jahren sehr langsam ins Bewusstsein geschlichen, konkreter wohl seit 2015/2018. Konzerne und Regierungen, das ist inzwischen bekannt, wußten es seit Jahrzehnten. Sie haben es vorgezogen, darüber zu schweigen, schönzureden, bloß nicht an der gewohnten nord-westlichen Lebensweise kratzen.

Die Konzerne haben geschwiegen und eine Desinformationskampagne nach der anderen rausgehauen, um weiterhin ihre Profite einzufahren. Die Parteipolitik vielleicht, um wieder gewählt zu werden. Zu schnell tauchen (bewusst geschürte) Ängste auf, für Klimaschutz müssten wir uns einschränken und etwas von unserem Wohlfühl-Leben abzwacken, der Staat wolle uns etwas verbieten oder wegnehmen. Unabhängig davon, ob das stimmt oder nicht, Parteien, von denen wir solches erwarten, wählt man nicht gerne. Und: Ein Klimaschutzgesetz, wenn es wirksam sein wollte,  wäre zumindest vorerst mit Eingriffen des Staates in die Wirtschaft verbunden. In der neoliberal freien Marktwirtschaft ein No-Go.

Zurück  zur österreichischen Realität. Minister Totschnig sagt es erstaunlich klar: „Wenn die Dürre so groß ist und Rinderbestände abgebaut werden müssen, dann haben wir nächstes Jahr das Thema, woher kommen die Lebensmittel, woher kommt das Fleisch, die Milch woher kommt das Getreide fürs Brot, woher das Gemüse.“

Er benennt die Sachlage und dann – nichts. Dabei ginge es um Sicherheit, ein Thema, das diese Parteien sehr gerne in Szene setzen. Ernährungssicherheit! Unser ‚täglich Brot‘ ist in Gefahr! Wäre das nicht ein Anlass, endlich ins Handeln zu kommen? Hm? Herr Minister?

Der Minister und die historische Katastrophe.

Aufgetaucht.
Minister Totschnig wurde heute im Ö1 Morgenjournal gehört.


Nach längerer Abwesenheit hat sich Minister Totschnig heute wieder zu Wort gemeldet. Wir hätten eine historische Katastrophe, er sei total betroffen von dem Ausmaß und nehme die Krise sehr ernst, so der Minister unvermutet auf Ö1. Eine ‚historische Katastrophe‘ – da frag ich mich spontan und laienhaft, wo bleibt der Krisenstab. Wenn die Regierung die Katastrophe so ernst nimmt wie der Minister und die Situation tatsächlich als außergewöhnliche Krise einstuft, muss sie erklären, welche außergewöhnlichen Koordinations- und Sofortmaßnahmen daraus folgen.

Hitze, Dürre, Trockenheit, da geht es nicht ’nur‘ um die Landwirtschaft. Die gesundheitlichen Folgen der Hitze reichen weit über die Landwirtschaft hinaus. Besonders ältere und gesundheitlich vulnerable Menschen sind gefährdet; Hitzebelastung führt nachweislich zu zusätzlicher Sterblichkeit. Neben Sofortmaßnahmen müssten auch die Ursachen ernst genommen und Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung zumindest eingeleitet werden.

Totschnig will erstmal beim Finanzminister anklopfen und in Verhandlungen gehen, woher das Geld kommen solle, um ein riesiges Ausmaß an Schäden in der Landwirtschaft abzugelten. Betroffen ist das gesamte Bundesgebiet und sämtliche Sparten. Er gehe mit den Zahlen der Hagelversicherung (Kurt Weinberger im ORF) ins Finanzministerium. Aktuell belaufen sich nur die bisherigen Schäden auf 1 Milliarde Euro. Warum wird die Situation politisch noch überwiegend als Schadensfall behandelt und nicht als strukturelle Folge eines sich verändernden Klimas? Wir brauchen sowohl wirksamen Klimaschutz als auch eine systematische Klimaanpassungsstrategie.

Minister Totschnig weiter: „…die Wissenschaft sagt, dass wir mit zunehmenden Extremwetter-Ereignissen zu rechnen haben, wir wissen von der Geosphere Austria, wenn es um Naturgefahrenmanagement geht, dass wir in den nächsten Jahren 15-20% mehr Extremwetterereignisse [Faktenchek Klimawandel, 06] haben werden, das heißt es gibt Handlungsbedarf, das heißt, ein Klimaschutzgesetz muss jetzt auf den Tisch„. Das lässt zumindest die Hoffnung aufkommen, dass die Warnungen, die von Seiten der Wissenschaft seit Jahrzehnten proklamiert werden, duch die aktuelle Dürre endlich ernst genommen werden.

Ja, Herr Minsiter, es gibt Handlungsbedarf – in Ihrem Ressort und auch in der Bundesregierung, der Sie angehören. Wenn die Regierung die Klimafolgen selbst als historische Katastrophe bezeichnet, kann ihre Antwort nicht darin bestehen, nach jedem Ereignis über die Finanzierung der Schäden zu verhandeln. Sie muss zugleich dafür sorgen, dass Österreich widerstandsfähiger gegen die bereits unvermeidbaren Folgen wird und die Ursachen der weiteren Verschärfung bekämpft.

Das Klimagesetz, das nicht nur von anderen ausgebremst und blockiert wurde, muss im Herbst beschlossen werden.Es braucht rechtlich verbindliche Klimaziele, klare Reduktionspfade mit Zwischenschritten, konkrete Sektorenvorgaben, ein regelmäßiges Monitoring sowie transparente Korrekturmechanismen bei Zielverfehlungen (Kontext Institut).

Ö1 Morgenjournal 11.08.2026