Musk/el Spiel

Leserbrief an ‚Die Presse‘

Sie titeln: ‚Elon Musk macht einfache Leute zu Millionären‘ und meinen dann, das zeige, dass Kapitalismus funktioniere und es solle doch mehr Musks geben. Wenn ein einfacher Leut‘ durch seine Musk-Aktien zum Millionär wird, sei ihm persönlich das vergönnt.

Soziologisch gesehen vergrößert es aber die Kluft zwischen Arm und Reich und das bedeutet eine erhöhte Gefährdung der Demokratie. Studien belegen, dass in Ländern mit hoher sozialer Ungleichheit die breite Bevölkerung unzufriedener ist, die soziale Stabilität vermindert und die Zustimmung für demokratische Institutionen deutlich gemindert ist. Hohe soziale Ungleichheit gefährdet die Demokratie  

Wenn Sie also Menschen wie Elon Musk in den Himmel loben, sprechen Sie sich damit indirekt gegen die Demokratie aus. Ist das wirklich Ihre Haltung? Ich kann es nicht glauben. Eine Relativierung wäre angebracht.

Speck oder Käse, war die Frage

Die Rolltreppe runter und dann die ganze Breite an allen Kassen vorbei zu den Einkaufswagerl. Jedesmal ärgere ich mich über diese Anordnung, die einen doppelten Weg erfordert. An ältere Leute denken die nicht. Naja. Wenigstens ein Wagerl, das nicht angehängt ist, ich brauch also nicht nach einem 50Cent-Stück kramen.

Wieder an allen Kassen vorbei, der Eingang ist auf der anderen Seite, grün und blau leuchtende Kunsstoffschranken, die sich nur in eine Richtung wie von selbst öffnen. Kunden könnten Diebe sein. Kleine Tomaten und Gurken, das Übliche und dann zuerst zum Käse, auch hier das Übliche. Etwas Speck und Wurst bräuchte ich noch, fahr mit meinem Wagerl um die Ecke, da ist eine ganze Wand mit einer Unmenge an Wurst-, Speck- und Schinkenangeboten

Blöderweise fällt mir der Vortrag von gestern ein. Ein Klimaforscher hat aus seiner Geschichte erzählt, von seinem Weg zum Klima-Aktivismus. Vor Jahren habe es am Dienstag in der Kantine immer Schnitzel gegeben und er habe jedesmal das Schnitzel gewählt. Heute würde er das nicht mehr. Er esse kein Fleisch mehr. Löblich, denk ich mir, wirklich toll. Aber so ein bissl Speck macht ja wohl nicht wirklich was aus. Ich ess ihn halt so gern, könnt mich von Speck, Käse und einem guten Brot ernähren. 80g Packungen nehm ich prinzipiell nicht, halte das für einen Betrugsversuch.

Bin schon jahrelang nicht mehr geflogen und hab auch nix am Plan, irgendwohin zu fliegen. Und Auto hab ich auch keines. Ich mein, da kann ich mir doch ein paar Blatt Speck gönnen. Oder? Und für den Handabdruck tu ich auch einiges. Also? Speck ist ja nicht vom Rind. Die Rinder-Massenhaltung, die ist so klimaschädlich. Außerdem, wenn man das alles weiterdenkt, dürft ich ja auch keinen Käse essen. Auch da spielt Massentierhaltung eine Rolle, die armen Kühe mit den hochgezüchteten Eutern. Vom Biobauern kaufen. Aber ehrlich gesagt, der schmeckt nicht so gut.

Was jetzt. Langsam schleiche ich an der Wurstwand vorbei, bemerke dies, bemerke das. Bio-Speck? Auch der ist nicht so gut wie der andere. Fleisch sollte man überhaupt außen vor lassen, das sagen alle. Alle, die sich um den Klimawandel Sorgen machen. Sorgen mach ich mir auch. Aber irgendwie. Ein paar Blatt Speck? Konsequent sein? Oder nochmal eine Ausnahme machen?

In eigener Sache

Die gute Nachricht: Das schlimmste Szenario (RCP 8.5), die Erde könnte sich auf über 5 Grad erhitzen, gilt nicht mehr als wahrscheinlich. Grund: Der schnelle Ausbau erneuerbarer Energiesysteme, Solar- und Windenergie.

Die schlechte Nachricht: Trump sowie rechts und neoliberal ausgerichtete Initiativen und Medien konstruieren daraus die Botschaft: Klimakatastrophe abgesagt, alles nicht so schlimm. Wir können weitermachen wie bisher.

Obwohl das nur heißt, wenn wir so weitertun wie wir gerade tun, landen wir nicht bei über 5, sondern bei mehr als 3 Grad Erderhitzung im globalen Durchschnitt, was für Österreich ca 6 Grad bedeuten würde. Da der Effekt des Einsatzes Erneuerbarer Energiesysteme offenischtlich geworden ist, müssten wir eigentlich den Schluss daraus ziehen, diese noch weiter auszubauen, um die Szenarien weiter zu verbessern. Das wäre logisch. Doch Logik ist der Klimaleugner Sache nicht. Sie instrumentalisieren für Eigeninterssen und -profit. Nicht für das Interesse der breiten Bevölkerung, nicht für Mensch und Natur.

Bei 3 Grad global wäre das Wetter nicht einfach etwas wärmer, wir bekämen häufigere, intensivere und länger andaurende Hitzewellen, Starkregen, mehr Dürren, höheres Hochwasserrisiko und eine deutlich größere Belastung für Landwirtschaft, Infrastruktur und Gesundheit. Hält man seinen Kopf frei von ideologischem Denken, wäre die Schlussfolgerung ganz klar: Mehr Klimaschutz-Maßnahmen.

Eine sehr gute Analyse im Spiegel: „So funktioniert fossile Propaganda heute“

Es zeigt ein weiteres Mal, der Kampf für Klimaschutz bedeutet nicht nur Bekämpfung der Ursachen des Klimawandels sowie für jetzt schon notwendige Anpassungsmaßnahmen, sondern heißt auch Kampf gegen gezielte und massive Desinformationskampagnen. Die kommen nunmal vorwiegend von rechts-neoliberaler Seite, untertützt u.a. von Peter Thiel, der im Klimaschutz den Feind von technologischem Fortschritt und ‚Freiheit‘ sieht. Er nennt u.a. Greta Thunberg im Kontext des sog. Antichristen. Allein daran ist erkennbar, wie ideologieschwanger diese Herrschaften sind. Und damit: Wie gefährlich. Das Ende der Freiheit ist nämlich Ideologie und nicht Klimaschutz.

Ausführliche (Hintergrund)Informationen gibt’s auf scientist4future.at: „Klima-Apokalypse abgesagt? Wahnwitzige Klimagesetze entsorgen? Der rechte Hype um „RCP8.5“ und was dahintersteckt.“

Osterei gefällig?

Ich esse ein Osterei (NATUR). Mit ein bisschen Salz (NATUR), schmeckt gut. Das Ei kommt von einem biologisch gehaltenem Huhn (NATUR) mit Zugang zu Freiflächen (NATUR). Dort finden die Hühner auch Grünes (NATUR), Insekten (NATUR) und Würmer (NATUR). Ansonsten gefüttert mit Mais (NATUR), Weizen (NATUR), Gerste (NATUR), Sojabohnen (NATUR) und Mineralstoffen (NATUR). Alle hergestellten Futtermittel sind biologisch angebaut (NATUR).

Die Inhaltsstoffe (NATUR), die ich für das Funktionieren meines Organismus (NATUR) brauchen kann, nehme ich in den Körper (NATUR) auf, die anderen scheide ich aus (NATUR). Aus der Luft (NATUR), die ich während des Essens atme, nehme ich Sauerstoff (NATUR) auf und gebe Kohlendioxid (NATUR) ab. Salzstreuer, Besteck und Geschirr, das ich verwende ist aus Ressourcen der NATUR hergestellt.

Ich trinke ein Glas (erzeugt aus Quarzsand (NATUR), Soda, Sulfat und Kalk (NATUR)) Wasser (NATUR) dazu. Es stammt von einer Quelle (NATUR) hoch oben am Berg (NATUR) genährt von einem Gletscher (NATUR). Während der ganzen Zeit tauschen sich Atome (NATUR) meines Körpers (NATUR) mit der Umwelt (NATUR) aus. Selbst was ich während des Essens sehe, fühle, schmecke, rieche und höre, ist NATUR.

Ich bin NATUR.
Ich bin eine RECHTSPERSON.
Die NATUR ist eine RECHTSPERSON.

Schöne Ostern

Schau’n ma mal…

… so könnte die Überschrift zum kürzlich von Minister Totschnig vorgelegten Entwurf des ‚Klimagesetzes‘ lauten. Nein, das ist kein objektiver Bericht, es sind ein paar empörte Zeilen über einen nichtssagenden klimatoxischen Entwurf und verpasste Gelegenheiten. Wobei, noch ist ja nichts beschlossen. Allerdings gehört das vermutlich zur Taktik – verzögern. Und das nach über fünf Jahren ohne Klimschutzgesetz.

Die wichtigsten Punkte, die von Klima- und Umweltinitiativen sowie Unternehmen kritisiert werden, sind das Fehlen klarer Sektorpfade für Energie, Verkehr, Gebäude, etc., klare Veantwortlichkeiten und Korrekturmechanismen, sowie die Festlegung auf das Ziel der Klimaneutralität 2040, wie es in der Koalitionsvereinbarung steht. Nicht 2050. (OTS, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ziehen an einem Strang: Klimagesetz muss nachgeschärft werden)

Der Minister macht auf kollegial indem er betont, er würde im Gegensatz zur vorigen Regierung, die mit Verboten und Zeigefinger agiert habe, die Kooperation in den Vordergrund stellen. Zu manchen der oben genannten Punkte meint er, das müsse man noch bereden und entwickeln. Abgesehen von der Polemik, die hier nichts zu suchen hat, heißt das im Klartext ‚wart‘ ma mal die nächste Überschwemmung ab‘. Gesetze formulieren manchmal Verbote, um klare Verantwortlichkeiten zuzuweisen. Es ist verboten, etwas zu stehlen und es ist verboten, andere Menschen zu töten. Das zur Diskussion stehende Gesetz würde Dinge vorschreiben, wie das Klima geschützt werden muss. Wer sich nicht daran hält, müsste, wie bei anderen Gesetzen auch, mit Konsequenzen rechnen.

Wobei der eigentliche Schutz den Menschen und der Natur gilt, nicht dem Klima. Die Erderhitzung soll eingedämmt werden, z.B. um Extremwetterereignisse so gering wie möglich zu halten. Folgen, die bereits jetzt jedes Jahr zu unzähligen Todesopfern führen. In einer Position mit Enscheidungsmacht gegen eine gesetzliche Regulierung und damit gegen eine mögliche Reduzierung von Extremwetterereignissen zu arbeiten, ist schlicht gesagt Beihilfe.

Soweit zum österreichischen Weg. Nein, so sind wir nicht, würde der Bundespräsident vielleicht sagen. Sind wir auch nicht, aber es gibt machtvolle und einflussreiche Kräfte in unserem Land, die so sind. Und es gibt eine Zivilgesellschaft, deren Einfluss und Breitenwirkung beständig zunimmt, die die Zeichen der Zeit erkennt und zum Handeln drängt. So sind wir.