Wo ist es geblieben?

Das Thema Klima.


Möchte man sich fragen, nachdem wir die vier Spitzen der österreichischen Politik für die nächsten Jahre sprechen gehört haben. Keiner der vier hat das Wort Klima auch nur am Rande erwähnt. Budget, Wirtschaft, Sicherheit, Teuerung, Bildung, Integration, die geopolitischen Erschütterungen und andere Bereiche wurden genannt. Nicht das Thema Klima.

Luisa Neubauer hat einmal gesagt: „Das Klima ist nicht der Elefant im Raum, es IST der Raum.“ Die oben genannten Themen ergeben schon fast eine Elefantenherde, die zweifellos angegangen werden muss. Wir brauchen Lösungen für eine ganze Reihe von Problemen und Krisen, besser heute als morgen. Wie sie es konkret umsetzen wollen, darüber haben wir noch nichts gehört, aber wenigstens der Wille, gemeinsam daran zu arbeiten, wurde nachdrücklich bekundet. Immerhin auch ein Bekenntnis zur Demokratie.

Nur – wenn der Raum, in dem sich das Ganze abspielt, kaputt geht, wird jegliche politische Strategie nutzlos. Das Klima ist der Raum, in dem sich alles Leben auf der Welt abspielt, eine gesunde Biosphäre ermöglicht die reichhaltige Natur und die vielen Lebensformen. Wenn wir unsere Lebensweise, immer noch von einer imperialen, petromaskulinen Haltung der rüchsichtslosen Ausbeutung geprägt, so beibehalten, wird die Biosphäre unweigerlich in die Katastrophe stürzen und nicht mehr viel Raum für Leben bieten.

Angedeutet wurde, dass Lösungen für die verschiedensten Probleme erarbeitet und umgesetzt werden sollen. Nur das Problemfeld Klima blieb außen vor. Keinem/r der drei Herren mit Dame ist eingefallen, dass wir doch erst einmal den Raum erhalten müssen, in dem wir dann unsere Elefantenherde abarbeiten können, dass es auch um eine Änderung unserer Lebensweise, unserer Haltung zur Welt geht. Das ist erschreckend, macht wütend, traurig, fassungslos.

Wenn nix mehr geht, geht bekanntlich noch Eines, sich nämlich zu fragen, was kann ich daraus lernen. Und das scheint mir sehr klar. Es ist ein Aufruf an die Klimabewegung: Steht auf, seid laut, seid stark! Verbündet euch mit allen, die sich dafür engagieren, verbreitet die Botschaft überall in den Gesellschaften, schließt euch zusammen, für die Aufgabe, den Raum zu erhalten, in dem wir leben. Das Klima.

An zukünftige Verhandler und Verhandlerinnen

Ausgehend von einem bereits niedrigen Niveau haben die letzten Wochen und Monate das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik zusätzlich schwer erschüttert. 2/3 glauben, dass es den Parteien nur um Wählerstimmen und Machterhalt gehe und dass Unfähigkeit und Korruption die politische Landschaft bestimmen würden. Besonders gering ist das Vertrauen in der ärmeren Hälfte der Bevölkerung.

Das hat u.a. zur Folge, dass sich viele von der Politik abkehren und nicht oder weiß wählen, oder sie wenden sich rechtsautoritären Parteien zu, die eine starke Hand und Führung versprechen. Beides bedeutet eine weitere Gefährdung der Demokratie. Gibt die Politik in einer Zeit der Aneinanderreihung multipler Krisen keine klare Linie vor, entstehen (wiederum vor allem in der ärmeren Hälfte der Bevölkerung) berechtigte existentielle Ängste. Ängste, die rechtspopulistisch/radikale Parteien vortrefflich für ihre Interessen zu nutzen wissen. So könnte die Demontage der Demokratie ihren Lauf nehmen, wenn ihr nicht klar und deutlich etwas entgegengesetzt wird.

In diesem Sinn richten wir einen dringenden Appell an Sie: Übernehmen Sie Verantwortung für die Demokratie und damit für die Bevölkerung in unserem Land. Wir brauchen jetzt eine Regierung, die sich eindeutig zu Demokratie und Rechtsstaat bekennt, klare Linien vorgibt und Maßnahmen setzt, an denen die Bevölkerung spürbar merkt, ja, die tun etwas für uns, das geht in die richtige Richtung. So stärken Sie das Vertrauen in die Politik und damit die Erhaltung von Demokratie und einer sozial friedlichen Gesellschaft.

Um eine Regierungsbildung zu erreichen, brauchen wir das, was in letzter Zeit immer wieder als Fähigkeit zur Kompromissbildung benannt wurde. Kompromissbildung ist keine Schwäche, sondern auf der politischen Ebene ein demokratischer Fortschritt, um auch bei unterschiedlichen Interessenslagen konstruktiv zusammenzuarbeiten und zu gemeinsamen Lösungen zu kommen.

Um nur einige Bereiche zu nennen, die viele beschäftigen: die Teuerung der Lebenserhaltungskosten, Mieten, Jobsicherheit,  soziale Unsicherheit und Abstiegsängste, Migration, Energiepreise, Angst vor Krieg und Klimakatastrophen, und und und

Ein wichtiger Faktor für die Stabilisierung im Land ist die Wirtschaft. Auch sie braucht Sicherheit und klare Linien, um mittel- und langfristig planen zu können. Viele Betriebe sind energieintensiv und auf eine verlässliche Energieversorgung angewiesen. Langfristig ist diese nur durch Erneuerbare Energie herstellbar. Je schneller wir darauf umstellen, umso besser für unsere Wirtschaft. Wirtschaftlich/finanziell ist das machbar. Erneuerbare werden immer billiger.

Was die Sicherung der Lebenswelt für gegenwärtige und zukünftige Generationen betrifft, ist Umwelt- und Klimaschutz natürlich ein großes Thema. Wobei gerade bei einem so heiklen Thema auch auf das Vertrauen in der Bevölkerung Bedacht zu nehmen ist. Beispiel CO2 Steuer als effizientes Instrument. Reiche Menschen und die obere Mittelschicht brauchen dafür nicht entschädigt werden. Die ärmere Hälfte der Bevölkerung spürt diese Steuer aber sehr wohl als Belastung.

Daher sollten sämtliche dieser und ähnlicher Maßnahmen sozial gerecht gestaltet werden, um diejenigen, die es brauchen, zu unterstützen und damit das Vertrauen dieser Menschen in Politik und Demokratie aufrechtzuerhalten. So wird für die Menschen spürbar, ja, die tun etwas für uns. Für eine gesunde, lebens- und liebenswerte Welt für uns, unsere Kinder und Enkelkinder, und zwar so, dass es verkraftbar ist und unsere Existenz nicht bedroht, sondern letztlich stärkt.

Es gäbe noch vieles, aber wir machen hier mal einen Punkt.

Unsere Bitte an Sie: Bedenken Sie all diese Dinge, wenn Sie sich zusammensetzen, um gemeinsame Lösungen zu finden. Politiker und Politikerinnen stehen im Dienst der Bevölkerung und die will sich wieder auf die Politik verlassen können. Nur so erreichen wir eine stabile gesellschaftliche Lage, gewinnen Vertrauen zurück und schaffen Sicherheit und Zufriedenheit im Land.

Zeigen Sie sich stark, übernehmen Sie Verantwortung für die Bevölkerung, im Sinne von Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechten und für den Erhalt unserer Lebenswelten.

Mit besten Grüßen
im Namen der Vielen

Wir wurden jahrzehntelang belogen und noch immer belügen wir uns gerne selbst.

Gegen Ende der 1970er als junger Erwachsener im Auto auf der Landstraße unterwegs, das Fenster offen, den Ellbogen aufgestützt, eine Hand am Lenkrad, mit brennender Zigarette. Die Musik dazu lässt Easy Rider Freiheitsgefühle auf Tiroler Landstraßen aufkeimen. Das war einfach nur cool. Wer hätte da an Klima gedacht?

Der Bericht des Club of Rome war zu diesem Zeitpunkt bereits veröffentlicht und wurde auch gelesen, doch inhaltlich zu weit entfernt, als dass er gegen solche Gefühle hätte ankommen können. Jung, die Welt stand offen, selbstverständlich wird die Zukunft besser als die Gegenwart, die Wirtschaft wächst, der Wohlstand wächst. Arbeit für alle, in einer freien demokratischen und friedlichen Gesellschaft. Auch wenn man wußte, dass es woanders anders war und auch für kritisch politische Anliegen auf die Straße ging, gegen Krieg, gegen Atom, für die Hausbesetzungen, für die Umwelt etc., war es im Alltagsleben gefühlt trotzdem irgendwie so, als ob es auf der ganzen Welt so wäre wie bei uns, oder zumindest so werden wird. Mit Aussicht auf eine bessere Zukunft.

Wachstum und (technischer) Fortschritt bringen Wohlstand für alle. So wurde es gepredigt und so hat es sich in unser unhinterfragt selbstverständliches Hintergrundwissen eingegraben, was dazu beigetragen hat, dass die Lügen leichter geglaubt wurden. Die Lügen darüber, dass unser verschwenderischer Lebensstil nur durch die rücksichtlose Ausbeutung von Natur und Menschen in anderen Ländern möglich war.

Zu dieser Zeit hat vorerst unbemerkt der Feldzug des Neoliberalismus begonnen. Die Geschichte ist bekannt. Am Ende waren in vielen Ländern öffentliche Dienstleistungen privatisiert oder kaputt gespart, Gewerkschaften gesprengt, Arbeitswelt und Gesellschaft durch strukturelle Eingriffe entsolidarisiert. Die Monetarisierung sämtlicher Lebensbereiche hat sich bis in die persönlichen Beziehungen geschlichen. Begleitet von Lügen wie z.B.: Wenn wir nicht auf den Zug der Globalisierung aufspringen, ist unser Wohlstand gefährdet, wir brauchen sie, um den Anschluss nicht zu verlieren. Zu den größten Lügen zählt das ständige Vernebeln einer Basis unseres Wohlstands: Die rücksichtslose Ausbeutung anderer Weltregionen, vor allem des globalen Südens.

Im gleichen Zeitraum sind auch Desinformationskampagnen zum Klimawandel angestiegen, in den letzten 10 Jahren fast tsunamiartig. Die Ölgesellschaften hatten genau gewusst, welche Klima-Schäden die fossilen Energien verursachen und haben alles daran gesetzt, dass sich dieses Wissen nicht verbreitet bzw. dass ihm nicht geglaubt wird. Sie wollten und wollen ihre immensen Gewinne so lange wie möglich prolongieren. Wie es momentan ausschaut, mit großem Erfolg. Es scheint, die Lüge hat gewonnen und mit ihr kommt neben dem Klima auch die Demokratie unter die Räder.

“Manchmal muss man einfach einsehen, dass man gegen das Gesellschaftsversagen nicht länger ankommt. Gesellschaft und Regierung haben sich für das fossile Weiter-so entschieden.” (Mina Canaval, Klimaaktivistin, Letzte Generation)

Wie konnte es so weit kommen? Eine Antwort würde mehrere hundert Seiten füllen. Tatsache ist: Es ist so weit gekommen. Wir finden uns in einer Situation, in der Demokratie, eine freie Gesellschaft und Klimaschutz massiv und ernsthaft gefährdet sind.

Kollaps wird oft mit Hollywood-Bildern assoziiert, in denen die Welt von einem auf den anderen Tag zusammenbricht. In der Realtität ist der Kollaps von Demokratie und Klima ein Prozess und er steht nicht bevor, sondern ist längst in Gang. So ist nun mal die Situation, lassen wir uns nicht länger belügen und belügen wir uns nicht länger selbst.

Das alles braucht uns jedoch nicht davon abzuhalten, uns für sinnvolle Dinge einzusetzen. Mehr autofreie Zonen im Stadtgebiet, höhere Gebühren für SUVs, Temporeduktion im gesamten Ortsgebiet auf 30 kmh, etc., nicht nur, aber auch hinsichtlich nächster Wahlen. Für den Erhalt des Rechtsstaates, freie Meinungsäußerung und Medien, Erhalt der Menschenrechte, Klimaschutzmaßnahmen und vieles mehr. Sich für diese Dinge einzusetzen, macht immer Sinn. Egal wie es ausgeht.

Dieser Beitrag basiert auf einem Treffen der Seniors For Future Arbeitsgruppe ‚Heisses Alter‘.

5 gute Jahre?

Langsames Auftauen aus der Schockstarre. Ein blinzelnder Blick auf die bange Frage: In welchem Österreich werden wir die nächsten Jahre leben. Rechtsstaatlich, demokratisch mit freier Meinunsäußerung, sozial, solidarisch und mit viel Gestaltungsspielraum für Personen, Gruppen und Minderheiten, bei allen Mängeln, die es noch zu beheben gälte?

Oder in Richtung wiederholt genannter Idole wie Orban oder Trump, alle, die ihre Länder autokratisch beherrschen und nur ihre eigene Klientel bedienen. Da ist Putin nicht mehr weit. Das würde dann heißen Rückbau demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen, Einschränkung von Meinungsfreiheit und Gestaltungsspielräumen, Sozialabbau, Abschiebungen und – Klimaschutz ade.

Florian Klenk schreibt ‚müssen wir uns fürchten?‘ und kommt zu dem Schluss fürchten nicht, aber wachsam sein. Wachsamkeit ist natürlich wichtig und vorausgesetzt, aber sicher nicht genug. Eine Änderung ist schneller gesetzt als es vom wachsam sein zum handeln braucht. Kaputt machen geht schnell. Wiederaufbauen braucht Zeit. Und der Widerstand, das liegt in der Natur der Sache, ist zumeist einen Schritt hinterher.

Ein Gedanke schwebt vorbei: Kickl und seine Partei könnten an der Aufgabe wachsen, sich ihrer Verantwortung bewusst werden und im Sinne des Gemeinwohls handeln und regieren. Ein schöner Gedanke. Nur leider schon wieder außer Sichtweite.

Also wie kriegt man wieder Boden unter die Füße und Luft unter die Flügel. Ein Treffen klima- und demokratiebewegter Menschen gestern Abend hat diesbezüglich Mut gemacht. Zusammensitzen, alles an- und aussprechen, den Mix an Emotionen zulassen, in den Raum stellen und lassen wie er sich halt darstellt. In wertschätzender Gesprächsatmosphäre. Allein das ist ein Gegenstück zu jenen, die Hass und Spaltung provozieren und daran arbeiten, die Vielfalt einzuengen, auf ein wir und die anderen und wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

Und dann der nächste Schritt. Die Emotionen sind so wie sie sind, aber wir sind nicht die Emotion. Wir lassen uns nicht davon erdrücken, uns nicht das Vertrauen in unsere Selbstwirksamkeit nehmen und uns nicht von den Ereignissen in die Verzweiflung treiben. Wir sind und bleiben handlungsfähig, können gemeinsam visionieren, gemeinsam konkrete Projekte planen und umsetzen. Beständig und beharrlich.

Wichtig scheint mir die wertschätzende Gemeinsamkeit und gegenseitige Akzeptanz. Aus ihr können der und die Einzelne Kraft schöpfen und wieder Boden unter den Füßen und Luft unter die Flügel kriegen. So war es gestern spürbar. Ein positiver Energieschub.

Einstellungswandel zum Klimawandel

So kann es mit mir nicht weitergehen. Das ständige Ankämpfen gegen eine übermächtige fossile Gewalt, gegen den übermächtigen Drang der vielen zu Verleugnung und Verdrängung, raubt mir den Atem, frisst an meiner Substanz. So kann es nicht weitergehen. Entweder ich lass es oder ich komme zu einer anderen Einstellung, so oder so, ich muss was ändern.    

Im Kampf gegen ein übermächtiges Monster, das aus vielen politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und psychologischen Teilen besteht und zu einer Mechanik des Untergangs zusammengewachsen ist, würde ich mich schließlich aufreiben. Würde zwischen den Teilen dieses Monsters zermahlen werden.

Am Anfang der Überlegungen stand das Akzeptieren. Akzeptieren, dass die Zivilisation so wie ich sie kenne und in der ich fast ein ganzes Leben lang gelebt habe, untergehen wird. Entweder durch den dritten Weltkrieg oder etwas später durch die volle Entfaltung der Konsequenzen des Klimawandels, ausgelöst durch unsere Lebensweise der rücksichtslosen Ausbeutung, an der ich, allein durch das Leben in einem der reichen Länder, auch selbst teilgenommen habe. Die Akzeptanz des Untergangs, so paradox es klingen mag, erlebe ich als Entlastung.

‚Wie kannst du nur, denk doch an deine Kinder und Enkelkinder.‘ Ja, das tu ich und ich bin sicher, sie werden ihren Weg finden, ich kann das sowieso nicht für sie machen, ich kann die Welt nicht für sie retten. Sie werden Lösungen finden, mit den Geschehnissen umzugehen, Lösungen, die ich noch gar nicht denken kann, im Kleinen oder im Großen, das bleibt abzuwarten.

Prinzipiell habe ich Vertrauen darin, dass künftige Menschen und Generationen Neues in die Welt bringen und damit auch unerwartete Richtungswechsel in den gesellschaftlichen Prozessen auslösen können. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, der Auflösung staatlich-demokratischer Strukturen. Die Zeit des Umbruchs ist nicht nur die Zeit der Monster (Gramsci), sondern birgt auch die Möglichkeit, konstruktiv Neues hervorzubringen.

Da halte ich es mit Hannah Arendt:„Hannah Arendts Idee, dass mit der Geburt eines jeden Menschen, eines jeden Gedankens ein ebenso kleiner wie radikaler, jedwede historische Erfahrung und jede Form des Pessimismus widerlegender Neuanfang gemacht ist, gehört zum Unerhörtesten, was die moderne Geschichte des Denkens zu bieten hat“ (Th. Meyer, in: H. Arendt, ‚Die Freiheit, frei zu sein.‘)

So versuche ich meinen Lebensalltag zwischen Untergang und Möglichkeitsräumen zu gestalten, gemeinsam mit meiner Familie und Freund:innen ein gutes Leben zu führen. Und versuche, mich im Rahmen meiner persönlichen Möglichkeiten für Frieden, Demokratie und Klima zu engagieren. Nicht, um das Schwert gegen den feuerspeienden Drachen zu schwingen. Einfach nur, weil es Sinn macht.