Türkise Schande 28-01-2021

Ich glaube kaum, dass die Türkisen dafür wären, Kinderschändung zu legalisieren. Mit Kinderabschiebung scheinen sie jedoch keine Probleme zu haben. Obwohl zweiteres genauso wie ersteres schwere Traumatisierungen auslösen kann, also ähnliche Folgen hat.

Die Traumatisierung eines Kindes zu verursachen scheint einmal rechtswidrig, ein anderes Mal rechtlich gedeckt. Rechtlich gedeckt in diesem Fall bei Kindern mit sog. Migrationshintergrund. Zum Hintergrund: Die Eltern kamen aus einem anderen Land, warum auch immer, haben sich hier ein Leben aufgebaut und sind oft gut integriert. Die Kinder selbst sind hier geboren und aufgewachsen. Kindergarten, Voksschule, Mittelschule oder Gymnasium, Lehre – sie sind bei uns sozialisiert, ihre Peergroup – und die ist für die Entwicklung wesentlich – ist österreichisch. Die Heimat ihrer Eltern ist ihnen meist fremd, ihre FreundInnen haben sie bei uns, hier fühlen sie sich heimisch.

Stell dir vor, deine Kinder würden in einer Nacht plötzlich von Polizisten verschleppt, in ein Flugzeug verfrachtet und in ein fremdes Land gebracht. Es wäre nichts anderes als das, was diesen Kindern heute Nacht passiert ist. Was würdest du denen sagen, die behaupten, das Gericht hat entschieden und Recht ist halt Recht. Recht? Ist es Recht, Kinder zu traumatisieren und ihnen lebenslange Schäden zuzufügen?

Nimmt man Türkis ernst, ist es Recht.
Und menschenrechtlich?

Vom Rudel zur Meute

Eigentlich ist der Mensch ein Rudeltier. Wir brauchen das Rudel, um zu überleben, wenn es kalt oder gefährlich wird, rücken wir zusammen. Schutz und Geborgenheit durch die Zugehörigkeit zum Rudel, sich an den anderen wärmen, Nähe und Gemeinsamkeit.

Die Nähe, die Mensch Rudeltier braucht, wandelt sich derzeit in Abstand. In der Öffentlichkeit zum Beispiel in Zwei-Meter-Abstands-Schlangen. Nicht, dass die Nähe im Geschäft so erstrebenswert wäre, aber es fühlt sich völlig anders an, ob ich in der Gruppe mit ein paar Leuten wo ansteh‘, um ein Buch abzuholen oder eine Semmel zu kaufen, oder in einer Schlange von maskierten Einzelpersonen, die jeweils 2 Meter Abstand voneinander halten.

Heute im Thalia, ca 10 Personen, Maske, Abstand, im Kreis anstehend, diszipliniert. Wobei sich hier sogar eine neue Art zu kommunizieren herausbildet, über Blicke, Lächeln, das man auch hinter der Maske erkennt, ein paar Worte über die Distanz hinweg. Gefühlt empfinden alle die Situation ähnlich absurd und bilden damit eine gewisse Gemeinsamkeit.

Jenseits dieser coronaren Realitäten rotten sich im virtuellen Raum die Meuten zusammen, um etwas oder jemand zu jagen, Verschwörungen zu entdecken und Schuldige aufzuspüren. Der Irrealität sind keine Grenzen gesetzt. Die Verschwörungstheorie gibt dem Grund des Übels Gesicht und Gestalt und spricht schuldig. Wer einmal als Schuldiger identifiziert ist, hat keine Rechte mehr, das „Recht, Rechte zu haben“ wird ihm aberkannt, Argumente zählen nicht und werden nicht gehört. Schuldige werden markiert, geschmäht, geächtet und aus dem Dorf gejagt.

Auch die Meute verspricht Zugehörigkeit, aber sie bietet keine Rudelwärme und keinen Schutz. Jede und jeder lebt in der ständigen Gefahr, selbst zum Gejagten und in Folge ausgeschlossen zu werden. Bedrohung und Angst statt Schutz, Kälte statt Wärme, Distanz statt Nähe. Jeder ist eine Gefahr für jeden anderen.  Gift für die Demokratie.

 

 

Ist unsere Zukunft systemrelevant?

Ein Beitrag von Lorenz Burgstaller

In einer Krise wie wir sie derzeit erleben wird das gesamte öffentliche Leben mit Ausnahme der systemrelevanten Bereiche auf ein Mindestmaß zurückgefahren. Krankenhäuser, Supermärkte, Arztpraxen, all das bleibt offen. Macht ja auch absolut Sinn. Alles andere wird auf Homeoffice verlagert oder gleich ganz geschlossen (Wirklich alles? Naja, außer den Skiliften vielleicht, die anscheinend auch systemrelevant sind). Erwachsene Menschen trifft es dabei sehr unterschiedlich, je nach Arbeitsbereich und sozialer Einbettung. Manche stehen am Existenzminimum, andere lernen auch die Vorzüge von flexibel gestalteten Heimarbeitszeiten kennen. Doch wird bei der ganzen Debatte nicht auf die vielleicht verletzlichste und was unsere Zukunft betrifft wichtigste Bevölkerungsgruppe vergessen? Die Schulen öffnen bald wieder, nein doch erst am 25. Jänner, nein doch erst im Februar. Wie lange soll das noch so weiter gehen?

Kinder und Jugendliche machen jeden Tag eine riesige Entwicklung durch. Sollten sie jedenfalls, aber dafür braucht es neue Eindrücke, und zwar nicht jene von Videospielen oder Netflix-Serien. Es braucht realen Kontakt zu Gleichaltrigen, ein unterstützendes Lernumfeld und möglichst viel Bewegung. Wird dieser Zugang verwehrt, entsteht langfristig ein enormer Schaden für die betroffenen Kinder und Jugendlichen wie auch für die gesamte Gesellschaft.

Es scheint logisch, dass es in diesen Zeiten nicht möglich ist, 25 Kinder in einem Klassenraum zu unterrichten. Doch hierin könnte auch eine Chance liegen, denn 25 Kinder für eine einzige Lehrperson waren auch schon vor den Zeiten von Corona viel zu viel. Also könnte man diese Krise auch nutzen, um Unterricht neu zu denken und zu gestalten. Was die finanzielle Frage anbelangt, sollte man sich stark überlegen, ob die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen der passende Ort für finanzielle Zurückhaltung darstellt. Entwicklung lässt sich kurzfristig nicht in BIP messen und vielleicht wird gerade deshalb in der derzeitigen Situation oft vergessen, wie schwerwiegende Folgen es für Kinder und Jugendliche hat, so lange Zeit auf ein digitales Leben beschränkt zu sein.

Coronataugliche Konzepte, um Präsenzunterricht in Kleingruppen zu ermöglichen, sollten höchste Priorität haben, um den langfristigen Schaden zu minimieren. Denn eines ist klar: Den Schulstart einfach jedes Mal aufs Neue zu verschieben stellt sicher kein durchdachtes Konzept zum Wohl von Kindern und Jugendlichen dar.

Wirksmurks mit ohne

Arbeitsministerin ist abgebogen, wegen einer wirklichen, aber nicht ganz so, also das heißt allgemein gedacht, eben doch oder  genau so ohne Beistrich, weil Chef sich ohne Idee nicht hinführen frisch erfunden.

Vom Regierungspfad abzubiegen war wohl eine gute und notwendige Entscheidung. Erstaunlich trotzdem wie man mit so viel Bildung in eine Regierungsposition kommt. Die einzige Professionalität, die sich der Kanzler von seinen MitregentInnen erwartet, scheint in der Hörigkeit zu liegen. Darin müssen sie gut sein. Und aus.

Einen Hörigen hat er sich  nicht nachgeholt, von den Medien wurde er mit Vorschusslorbeeren übergossen, ein wahrer Experte. Wahr vielleicht, aber in  welchem Sinn? Was er bisher hören lassen hat, ist er als neoliberaler Ideologe einzustufen. Entlohnung des Pflegepersonals als Sache von Angebot und Nachfrage, also freier Markt. Arbeitslosengeld wegen Corona erhöhen, nein im Gegenteil, er liebäugelt mit dem Modell, das Arbeitslosengeld sukzessive zur reduzieren, je länger die Arbeitslosigkeit dauert.  Danach wird man ausgesteuert? Wie in der Zwischenkriegszeit, so hörte ich, anschließend konnte man nur betteln gehen.

Nicht heute bei uns in Österreich natürlich. Es gibt die Mindestsicherung. Bei uns muss niemand betteln und niemand verhungern. Die Mindestsicherung bewahrt vor dem Verhungern. Stimmt. Ein würdevolles Leben oder gar eine ganz normae Teihabe am gesellschaftliche Leben ist damit allerdings nicht möglich. Das müssen Mann und Frau sich erst wieder erleisten. Und da ist jede Person ihres eigenen Glückes Schmied. In diesem sozialdarwinistischen Grundgesäusel sind sich Kanzler und frisch gebackener Minister wohl ziemlich einig. Das genügt.

 

Covidnebel verzieht sich nicht

Er will einfach nicht gehen. Der Nebel. Der Virus. Der düstere Nachgeschmack der Gedanken. Von Verlängerung des Lockdowns wird gesprochen, Impfungen dauern, auch wenn alle nach der vielen Kritik um Tempo bemüht sind. Und ob die Impfung bringt, was sie verspricht, steht noch in den Sternen.

Derweil unterwandert die neoliberale Ideologie das Arbeitsministerium. So kurzfristig könne man keine Reform des Arbeitslosengeldes machen, selbst wenn es sich nicht um  eine Reform sondern lediglich um eine Erhöhung von 15% handelt. So kurzfristig gehen nur zweistellige Milliardenbeträge an Unternehmen, aber keine Unterstützung für Arbeitslose, die einen Bruchteil davon ausmachen würde.

Existentielle Bedrohung gesellt sich zu den sonstigen Folgen der Sozialkontakt-Prohibition. Der Anstieg von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen schlägt sich bereits in der Statistik nieder. Sozialstaat, Demokratie und Menschenrechte werden unter der Decke der Pandemie unbemerkt unterwandert. Was für ein Erwachen.