Die Einmeterschlange

Vor der Apotheke, vor der Bank – ein Security, der den Einlass regelt, und ein paar Leute im Abstand von wenigstens einem Meter. Mit misstrauischen Blicken werden die anderen taxiert. Haben sie den Virus, könnten sie mich gefährden?

Bei aller Sinnhaftigkeit von Masken und Abstandhalten für die Bekämpfung der Epidemie, diese Maßnahmen drängen uns auch in ein Gegeneinander. Sie schaffen Misstrauen und Distanz. Jede andere Person könnte Virusträger sein, könnte mich anstecken und wird damit zur potentiellen Bedrohung. Das heißt nichts anderes, als dass sämtliche Personen, denen ich im öffentlichen Raum begegne, meine Gesundheit gefährden und das im schlimmsten Fall zu meinem Tod führen könnte. Also hüte dich vor der Begegnung mit anderen Menschen.

Das Warten in der teilmaskierten Einmeterschlange mit den misstrauischen Blicken hinterlässt in mir ein Gefühl, als ob der letzte Rest von Solidarität, der uns nach der neoliberalen Großoffensive noch geblieben ist, auch noch eliminiert werden soll. Wenn davon nach der Corona-Krise etwas zurückbleibt, wird es egal sein, ob ein weiterer Schritt der Entzweiung und Spaltung der Gesellschaft auf Grund notwendiger gesundheitlicher Maßnahmen oder aus anderen Gründen getan wurde. Solidarität wurde erneut untergraben und zurückgedrängt und damit auch die demokratische Grundhaltung. Ohne Solidarität keine Demokratie. Oder: Demokratie braucht Solidarität.

Stephan

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