Über der Stadt ist Ruh‘

Covid Nebel

Nebelschleier legen sich auf mein Gemüt. Fühlen und Denken in Nebel gehüllt, nicht sehr stark, kein Nebellicht, doch alles leicht getrübt. Ruhe ist eingekehrt wie im Frühjahr, wenige Autos und Menschen auf den Straßen, selten ist die Stadt so ruhig. Nebelgefühl, Druck auf der Brust. Ausgangssperre.

Auch wenn mir mein Kopf sagt, soo viel verändert sich ja nicht. Lebensmittel und Alltagsbedarf bleibt zugänglich, Schuhe, Kleider, Elektronisches oder Sonstiges kaufe ich sowieso selten, spazieren gehen darf ich, vieles kann ich weiterhin tun. Die reale Einschränkung ist weniger groß als die gefühlte und doch ist da einiges, das mir ent-möglicht wird: die Hälfte des Teams sehe ich in dieser Zeit nicht, die Tirolerrunde findet nicht statt, die Tarockrunde nicht, der Chor, die Gesangs- und Singstunden, Billard, Freundinnen und Freunde treffen, Essensrunden, etc.

Covid legt sich wie ein Schleier auf meine Seele, eine Nebelschwade, die nicht weiterziehen mag. Wirksame Nebenwirkung des Virus und der Maßnahmen, allen voran das social distancing.

Social distancing oder Soziales Distanzieren?

Im Englischen meint social distancing physical distancing, körperliche Distanz, zur Vermeidung der Infektionsübertragung. Das wäre der in Österreich so beliebte Babyelefant, ebenso sprachliche Missgeburt wie das falsch verwendete social distancing, das wörtlich übersetzt wird: Soziale Distanz. „Bleiben sie zu Hause. Treffen sie niemanden. Haben Sie so wenig soziale Kontakte wie möglich.“

Die ursprüngliche Bedeutung im Deutschen schwingt mit und lässt entsprechende Bilder anklingen, ob sichtbar oder nicht. Sich sozial distanzieren heißt ursprünglich: Abgrenzung gegenüber Anderen, Einzelnen, Gruppen und Gemeinschaften innerhalb der Gesellschaft. Mit so jemandem haben wir nichts zu tun, z.B. mit Obdachlosen, psychisch Kranken, Zigeunern und die alle. Zu den Oberen wissen wir, wie wir uns zu benehmen und welchen Abstand wir zu halten haben. Die sind sich zu gut für uns. Auch das ist soziale Distanz.

Eine Frage der Zugehörigkeit, der Definition eines WIR durch Abgrenzung von anderen gesellschaftlichen Gruppen und Milieus. Und natürlich sind wir die Guten und die anderen die Bösen, von denen es sich zu distanzieren gilt. Ob sie nun als Infektionsträger gefährlich sind, als ideologische Fanatiker, oder nur, weil sie einer bestimmten Volksgruppe angehören. Den Makel tragen die anderen.

Die Verwendung des Begriffs ‚Soziale Distanz‘ lässt (gewollt oder nicht) manches davon in uns anklingen. Durch die ständige Wiederholung sickert es in unserem Bewusstsein nach unten und kann sich dort als Haltung einnisten, oder die bereits vorhandene stärken. Ganz unbemerkt.

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