Covid – ein Antisozialikum

Tragen Sie Maske, halten Sie Abstand, treffen Sie niemand. Covid und seine Konsequenzen schieben einen Elefanten, wenn auch im Babyformat, zwischen die Menschen. Mit ausgestreckten Armen käme man sich dabei vermutlich nicht näher als Gott und Adam in der Sixtinischen Kapelle. Da hätte ein Babyelefant schon dazwischengepasst. Geborgenheit verspricht das nicht.

Nähe, Wärme, Körperkontakt braucht ein Säugling zum Überleben und Erwachsene auf Dauer, wenn sie körperlich und psychisch gesund bleiben wollen. Covid und seine Konsequenzen zielen auf das Gegenteil: Kein Kontakt, kein Berühren, keine zwischenmenschliche Wärme. Die Fernsinne, die ohnehin schon seit langem durch den technischen Fortschritt forciert wurden, bekommen zusätzliche Wichtigkeit. Um über Webex, Zoom oder Skype zu kommunizieren, brauch ich weder was spüren, noch riechen oder schmecken.

Wenn ich mein Gegenüber riechen will, muss ich ihm oder ihr schon ziemlich nahe kommen, außer es hat im home office lange nicht mehr geduscht. Um sie oder ihn zu berühren, noch mehr, und um zu schmecken sowieso. Das funktioniert mit Zoom nicht. Um an einer Online-Konferenz teilzunehmen braucht man nur sehen und hören, minimal nicht einmal sehen, sondern nur hören.

Hören, gehören, Gehorsam. Wir brauchen nicht sehen, aber müssen gesehen werden, je mehr Digitalität, umso umfassender das Panoptikum. Wir sollen nur hören. Auf die Stimme hören, die uns sagt, was wir zu tun haben, was wir dürfen und was wir nicht dürfen. Amen.

 

Konsumtempel auf KUNST zu?

„Ziel einer Prohibition ist es – in der Regel –, die Bevölkerung vor negativen Wirkungen der verbotenen Substanzen zu schützen; diese Ziele können religiös, politisch, wirtschaftlich oder aus gesundheitlicher Fürsorge  definiert und motiviert sein.“ (Wikipedia).

Da die Shoppingmeilen geöffnet, die Kunststätten, abgesehen von den Museen, aber geschlossen sind, könnte man von einer österreichischen Kunst Prohibition sprechen. Vielleicht erleben ja manche der Herren die Kunst als gefährliche Substanz, vor der man die Bevölkerung schützen muss. Wer weiß, was denen einfällt. Die bringen womöglich noch völlig andere Sichtweisen daher. Leiten wir die Leute lieber ins Museum, da kann nix passieren.

Einen Flashmob zu ‚Konsumtempel auf Kunst zu?‘ gab’s am 8.12.20 in Wien am Wallensteinplatz.

 

Neuer Beitrag auf ‚Utopie aber wie‘

Unbegrenztes Wachstum
Bei 2% Wachstum im Jahr wäre ich heute 4 Meter groß.

Wachstum sei für das Überleben der Wirtschaft und damit für unser Überberleben notwendig. Ohne Wachstum würde das System nicht funktionieren, ein System ohne Wachstum sei undenkbar. Unbegrenztes Wachstum auf einer begrenzten Erde. Dass dies nicht funktionieren kann, bedarf keiner wissenschaftlichen Analyse, es ist evident. Trotzdem werden Vorstellungen einer Wirtschaft ohne Wachstum von vielen in den Bereich der Utopie oder der Spinner verbannt, die Notwendigkeit des Wachstums fast als Naturgesetz betrachtet. zum ganzen Beitrag –>

Lockup Preview

Erstaunliches Einkaufserleben heute. Am Markt, g‘stopft voll, lange Schlangen bei Gemüse, Fleisch und Brot, Gruppenbildungen bei Kebab, Würstel und Sushi. Leute stehen im Rudel vor den Buden und prosten sich zu, ohne Masken, versteht sich. Beim Fleischer gibt es eine Schlange für Wurst und eine für Fleisch. Hinten in der Wurstschlange poltert einer, man solle eine dritte Schlange aufmachen. Natürlich, schnell muss es auch noch gehen. Und Elefanten sind hier keine unterwegs, Schlange heißt dicht an dicht.

Dann im Merkur kein einziges Einkaufswagerl verfügbar, Menschen, Menschen, Menschen, Waren häufen sich in Körberl und Wagerl. Gar nicht so einfach, durch die Gänge zu kommen, netterweise sind die Leute höflich und stellen aus, Staus bilden sich trotzdem.

Der Blick in den Handykalender sagt mir, es sind nicht die Weihnachtsfeiertage. Nicht einmal ein langes Wochenende. Als ob man die Lockerungen vom Montag schon am Samstag feiern wollte. Montag ist Fenstertag, Dienstag halber Feiertag, vielleicht kaufen die Leute schon bis Mittwoch ein, um sich dann voll und ganz auf die Weihnachtseinkäufe konzentrieren zu können.

Am Hohen Tag der Hohen Frau in Unbefleckter Empfängnis,  der zum Tag der uferlosen Kauforgien umdefiniert wurde, ein Konsumtsunamie, alles andere als fleckenlos. Wer am 8. Dezember schon mal in der Mariahilferstraße war, weiß, wie sich das anfühlt. Nach nie wieder.

Mag sein, dass nach einem Jahr mit wochenlangem Shoppingverbot der Kauftrieb einfach nicht mehr zurückzuhalten ist. Freie Marktwirtschaft, freies Shopping, unverzichtbare Voraussetzungen für das Wohlergehen des homo oeconomicus?

 

 

Schauen und Staunen

Corona legt den Turbo für die Digitalisierung ein, die Christkindlmärkte gehen online. Online-Angebote gab es vorher schon, doch so wie es scheint, ist heuer Digital der Ersatz für Analog. Die Digitalisierung der Christkindlmärkte bedeutet ihre komplette Monetarisierung. Ein Jahresereignis, das vor allem atmosphärisch erlebt wird, auf bloße Ökonomie reduziert.

Gestern
Mit der 1er zum Rathausplatz, die Dämmerung ist schon forgeschritten, die Beleuchtungen versprühen Weihnachtsstimmung. Wie auch immer man zu diesem Gefühlsspektakel steht, viele gehen hin und genießen die wohlig warme Weihnachtsatmosphäre, fühlen sich vielleicht an gemütliche Stuben mit Kerzenlicht und kindlicher Vorfreude erinnert, drängen sich durch die Menschen zwischen den Ständen, treffen diese und jenen, plaudern und trinken eine Tasse Punsch oder Glühwein miteinander. Im Hier und Jetzt berührbar.

Heute
Einsam in den Computer glotzen und Preise anklicken. Schnäppchenjagd. Kein Gedränge am Punschstanderl, links und rechts gefälliger Smalltalk, mit dem Häferl zurück zu den anderen, alle gut gelaunt. Nö. Bleiben Sie zu Hause, halten sie Abstand. Setzen Sie sich vor ihren Computer und kaufen Sie ein. Weihnachtsstimmung? Siehe Familienalbum.