Corona mit Abstand

Inzwischen ist Normalität, dass über das Thema in sämtlichen Medien, Nachrichten, Dokumentationen, talk-shows aller Art an prominenter Stelle berichtet wird. Ein Propagandafeldzug könnte nicht besser geplant sein, Corona ist immer und überall.

Soziale Distanz, aber Corona rückt näher. Immer häufiger kommt es vor, dass jemand im Umkreis erkrankt, oder wegen Kontakt vorübergehend in Quarantäne muss. Rein mit dem Stab ins Nasenloch, das Auge tränt, und dann bin ich positiv oder negativ, gut oder böse. Penetrierendes Test-Stäbchen, der Täter in Plastik vermummt, unerkannt.

Selbst bei guten Freunden ein kurzes Abtasten per Augenkontakt. Wie immer Bussi links Bussi rechts oder lieber mit Abstand, wie will er oder sie, und ich, sollte ich mich in Acht nehmen, Nähe ist riskant. Nähe ist riskant. Durch Corona geworden. Endlich kann ich Nähe zulassen, schon schiebt sich ein Elefantenbaby dazwischen. Geächtet, wer sich öffentlich umarmt. Missbilligende Blicke. „Heast, wos is mit Abstand!“

Die Blicke werden wichtiger. Spüren, schmecken verboten, riechen geht grad noch, außer man hat Covid. Bleiben Schauen und Hören, die Augen sind als einzig sichtbarer Mimikbereich frei, die Ohren halten die Maske. Ein Stirnrunzeln kann verräterisch sein. Was sagt die Polizei dazu? Sie setzen auf digitale Gesichtserkennung. Perfekt.

Über der Stadt ist Ruh‘

Covid Nebel

Nebelschleier legen sich auf mein Gemüt. Fühlen und Denken in Nebel gehüllt, nicht sehr stark, kein Nebellicht, doch alles leicht getrübt. Ruhe ist eingekehrt wie im Frühjahr, wenige Autos und Menschen auf den Straßen, selten ist die Stadt so ruhig. Nebelgefühl, Druck auf der Brust. Ausgangssperre.

Auch wenn mir mein Kopf sagt, soo viel verändert sich ja nicht. Lebensmittel und Alltagsbedarf bleibt zugänglich, Schuhe, Kleider, Elektronisches oder Sonstiges kaufe ich sowieso selten, spazieren gehen darf ich, vieles kann ich weiterhin tun. Die reale Einschränkung ist weniger groß als die gefühlte und doch ist da einiges, das mir ent-möglicht wird: die Hälfte des Teams sehe ich in dieser Zeit nicht, die Tirolerrunde findet nicht statt, die Tarockrunde nicht, der Chor, die Gesangs- und Singstunden, Billard, Freundinnen und Freunde treffen, Essensrunden, etc.

Covid legt sich wie ein Schleier auf meine Seele, eine Nebelschwade, die nicht weiterziehen mag. Wirksame Nebenwirkung des Virus und der Maßnahmen, allen voran das social distancing.

Social distancing oder Soziales Distanzieren?

Im Englischen meint social distancing physical distancing, körperliche Distanz, zur Vermeidung der Infektionsübertragung. Das wäre der in Österreich so beliebte Babyelefant, ebenso sprachliche Missgeburt wie das falsch verwendete social distancing, das wörtlich übersetzt wird: Soziale Distanz. „Bleiben sie zu Hause. Treffen sie niemanden. Haben Sie so wenig soziale Kontakte wie möglich.“

Die ursprüngliche Bedeutung im Deutschen schwingt mit und lässt entsprechende Bilder anklingen, ob sichtbar oder nicht. Sich sozial distanzieren heißt ursprünglich: Abgrenzung gegenüber Anderen, Einzelnen, Gruppen und Gemeinschaften innerhalb der Gesellschaft. Mit so jemandem haben wir nichts zu tun, z.B. mit Obdachlosen, psychisch Kranken, Zigeunern und die alle. Zu den Oberen wissen wir, wie wir uns zu benehmen und welchen Abstand wir zu halten haben. Die sind sich zu gut für uns. Auch das ist soziale Distanz.

Eine Frage der Zugehörigkeit, der Definition eines WIR durch Abgrenzung von anderen gesellschaftlichen Gruppen und Milieus. Und natürlich sind wir die Guten und die anderen die Bösen, von denen es sich zu distanzieren gilt. Ob sie nun als Infektionsträger gefährlich sind, als ideologische Fanatiker, oder nur, weil sie einer bestimmten Volksgruppe angehören. Den Makel tragen die anderen.

Die Verwendung des Begriffs ‚Soziale Distanz‘ lässt (gewollt oder nicht) manches davon in uns anklingen. Durch die ständige Wiederholung sickert es in unserem Bewusstsein nach unten und kann sich dort als Haltung einnisten, oder die bereits vorhandene stärken. Ganz unbemerkt.

An meine Gedanken

Meine lieben Gedanken. Schon erstaunlich, was ihr an einem Tag, noch mehr in einer Nacht, so alles auf’s Tapet bringt. Was wird wohl morgen sein, wird es laufen wie gewünscht oder was schief gehen, hab ich allles bedacht, muss ich mir Sorgen machen? Hab ich jemand unabsichtlich beleidigt, etwas getan, das ich nicht tun hätte sollen, oder etwas nicht, das ich hätte tun sollen? Ich sollte netter zu den Leuten sein, mich nicht so schnell ärgern, mich gesünder ernähren, abnehmen und weniger essen und trinken. Der Chef hat mich kürzlich so komisch angeschaut, hab ich vielleicht was falsches gesagt und es ist mir gar nicht aufgefallen? Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht blamier‘, warum nur immer wieder dieselben Fehler, wird mich nächste Woche überhaupt noch jemand mögen?  … Nur ein kleiner Auszug eurer Einfälle, da gäbe es noch hunderte.

Daher will ich zumindest eines feststellen: Ich bin nicht ihr und ihr seid nicht ich. Normalerweise bin ich ein gastfreundlicher Mensch, und freue mich über Besuch. Nur wenn er dann gar nicht mehr gehen will und immer mehr und mehr Leute mitbringt, die alle auf mich einreden, jeder will sich vordängeln und mir zuerst in den Sinn kommen, selbst wenn ich schon hundertmal gesagt hab, jetzt ist aber Schluss, ich brauch mal Ruhe in meinem Kopf, und nach zwei Minuten geht’s wieder von vorne los, dann, ja dann ist es auch mir zuviel.

Also meine lieben Gedanken, ihr könnt gerne zu mir kommen, tagsüber oder nächtens ein wenig verweilen, aber dann, ja dann, bitte weiterziehen und nicht sofort wieder anklopfen. Danke.

Komm mir nur nicht zu nah

Ein Verdacht bezieht sich auf etwas Unrechtes, Schlimmes, meist verbunden mit böser Absicht. Ich habe jemand in Verdacht, dies oder jenes angestellt zu haben, schuld an etwas zu sein. Demjenigen, der unter Verdacht steht, wird unterstellt, er habe etwas Böses getan.  

Diese Bedeutung vermittelt das Wort ‚Verdacht‘, so wie es üblicherweise umgangssprachlich verwendet wird. Dieselbe Bedeutung wird auch bei der Verwendung des Wortes ‚Verdachtsfall‘ mitvermittelt, selbst wenn es im medizinischen Zusammenhang gebraucht wird. Auch in anderen Kontexten evoziert das Wort den Frame der gewohnten Bedeutung mit und führt, bewusst oder nicht, zu entsprechenden gedanklich emotionalen Verknüpfungen, Assoziationen, Einschätzungen, Urteilen.

Wer in Verdacht steht, covid-positiv zu sein, hat mit einem Verfahren zu rechnen, das schon vor der Testung beginnt. Mitschuldige, Mitverursacher werden per contact tracing und Umfeldanalyse gesucht, sämtliche Kontakte und Bewegungen der betroffenen Personen in den letzten zwei Wochen möglichst lückenlos aufgeschlüsselt, durch Befragung, Mobiltelefone, Registrierungen, Überwachungskameras, etc. Bei positivem Testergebnis ist die Konsequenz Isolierung bzw. Quarantäne der betroffenen Personen. Keine Einzelhaft, kann sich aber so anfühlen.

Selbst wenn eine Maßnahme epidemiologisch gesehen richtig ist, die Auswirkungen gehen weit darüber hinaus. Wir gewöhnen uns an mehr Misstrauen, jede Person könnte Überträger*in sein und damit eine Gefährdung für mich bedeuten. Die Maske schränkt die Kommunikation durch Verdecken der Mimik deutlich ein. An der Mimik kann ich aber am besten erkennen, was in der anderen Person vorgeht, und mitfühlen oder auch nicht. Singen ist so alt wie die Menschheit, Gesänge haben tiefe sozial (ver)bindende Wirkung – verboten. Der natürliche Impuls, eine Person, die ich mag, zu umarmen – gedrosselt, ältere kranke oder demente Menschen erreicht man oft nur noch über Berührung – zu gefährlich, …

Fast sämtliche Maßnahmen bezüglich der Pandemie zielen auf partielle soziale und sensorische Deprivation, auf Isolation und Vereinzelung. (Körper)Kontakte im privaten, beruflichen und alltäglichen Leben werden reduziert, Ängste und Misstrauen geschürt. Die Maßnahmen fördern das Gegeneinander statt Miteinander und nebenbei noch die Neigung zu Feindbildern, Rassismus und Denunziantentum.

 „There is no society, just individuals“. Einzelwesen treiben auf ihren schmelzenden Eisschollen und winken einander zu. Oder wir paddeln an Land und solidarisieren uns.
Noch haben wir die Wahl.

Stephan Burgstaller

Die Arktis brennt

Die Arktis brennt, so liest man in den Medien. Und spontan würde ich sagen, so ein Topfen, wie kann die Arktis, die gefühlt für Kälte und ewiges Eis steht, brennen. Gefrorenes Wasser brennt nicht.

Real handelt es sich um Gebiete in Sibirien, die zur Arktis gehören. Die dortigen Wälder brennen, begünstigt durch Temperaturen bis 38 Grad. 38 Grad in der Arktis, da braucht man keine Wissenschaft, um zu wissen, dass solche Temperaturen ungewöhnlich sind. Und auch nicht dafür, dass hier ein Zusammenhang mit der Klimaerwärmung besteht, selbst wenn die Wissenschaft beides bestätigt, genügt für diese Erkenntnis der Hausverstand.

Inzwischen gehört es zum Allgemeinwissen, dass in diesen Böden Methan eingelagert ist. Wenn die Permafrostböden auftauen können nicht nur Gebäude und Infrastruktur Schaden nehmen, sondern es wird auch Methan freigesetzt, ein deutlich gefährlicheres Treibhausgas als CO2. Das würde den Weg in die Klimakatastrophe zusätzlich beschleunigen. Nur ein Beispiel für die rasante Entwicklung.

Für alle sichtbar, wahrnehmbar, alle wissen es – wenn sie wollen. Und doch gibt es solche, die es verleugnen, nicht wahrhaben wollen, sehr viele, die meinen: wird schon nicht so schlimm sein, irgendeine Lösung wird sich finden. Und leider auch viele, die so tun, als ob nichts wäre, weil sie immer noch Megagewinne mit fossilen Geschäften machen. Der schnelle Gewinn zählt, sonst nichts.

Abgesehen von den Verleugnern sind sich alle Experten einig: das Zeitfenster, in dem wir noch nachhaltig Einfluss nehmen können, schließt sich in zehn bis zwanzig Jahren. Dann haben wir nicht mehr viel zu melden und werden zu Zuschauern der Klima- und Erdentwicklung.

So wie wir bei Corona auf alte und vulnerable Menschen geschaut haben, sollten wir jetzt auf die Generationen nach uns schauen. WIR MÜSSEN JETZT HANDELN.

Stephan