Die Arktis brennt

Die Arktis brennt, so liest man in den Medien. Und spontan würde ich sagen, so ein Topfen, wie kann die Arktis, die gefühlt für Kälte und ewiges Eis steht, brennen. Gefrorenes Wasser brennt nicht.

Real handelt es sich um Gebiete in Sibirien, die zur Arktis gehören. Die dortigen Wälder brennen, begünstigt durch Temperaturen bis 38 Grad. 38 Grad in der Arktis, da braucht man keine Wissenschaft, um zu wissen, dass solche Temperaturen ungewöhnlich sind. Und auch nicht dafür, dass hier ein Zusammenhang mit der Klimaerwärmung besteht, selbst wenn die Wissenschaft beides bestätigt, genügt für diese Erkenntnis der Hausverstand.

Inzwischen gehört es zum Allgemeinwissen, dass in diesen Böden Methan eingelagert ist. Wenn die Permafrostböden auftauen können nicht nur Gebäude und Infrastruktur Schaden nehmen, sondern es wird auch Methan freigesetzt, ein deutlich gefährlicheres Treibhausgas als CO2. Das würde den Weg in die Klimakatastrophe zusätzlich beschleunigen. Nur ein Beispiel für die rasante Entwicklung.

Für alle sichtbar, wahrnehmbar, alle wissen es – wenn sie wollen. Und doch gibt es solche, die es verleugnen, nicht wahrhaben wollen, sehr viele, die meinen: wird schon nicht so schlimm sein, irgendeine Lösung wird sich finden. Und leider auch viele, die so tun, als ob nichts wäre, weil sie immer noch Megagewinne mit fossilen Geschäften machen. Der schnelle Gewinn zählt, sonst nichts.

Abgesehen von den Verleugnern sind sich alle Experten einig: das Zeitfenster, in dem wir noch nachhaltig Einfluss nehmen können, schließt sich in zehn bis zwanzig Jahren. Dann haben wir nicht mehr viel zu melden und werden zu Zuschauern der Klima- und Erdentwicklung.

So wie wir bei Corona auf alte und vulnerable Menschen geschaut haben, sollten wir jetzt auf die Generationen nach uns schauen. WIR MÜSSEN JETZT HANDELN.

Stephan

Covid und die Angst vor dem Fremden

Eines der Cluster, die für das Ansteigen der Covid-Erkrankungszahlen in Oberösterreich verantwortlich gemacht wurden,  war laut den Meldungen eine Freikirche. In den meisten Berichten, zumal des ORF,  wurde nur von Freikirche gesprochen, diese aber nicht näher bezeichnet.

Vielleicht hat es ja damit zu tun, dass in Freikirchen die Gläubigen inbrünstiger Singen als in den gewöhnlichen Messen der Altkirchen und somit mehr Aerosole produzieren. Jedenfalls hat die verstärkte Verbreitung eher mit der Art der Zusammenkunft als mit der Herkunft der Gläubigen zu tun, mag sein, dass neben dem heftigen Singen auch der familiäre Charakter zu mehr Nähe führt.

Trotzdem sah sich Innenminister Nehammer veranlasst, im Mittagsjournal von einer ‚rumänischen‘ Freikirche zu sprechen. Eine rumänische Freikirche lässt die Covid-Zahlen wieder ansteigen. Nur ein kleines Attribut mehr. Doch verknüpft dieses eine Wort die Covid-Ängste mit Ausländern, Migrant*innen und in Folge werden auch die Ängste mit diesen verknüpft. Nur eine zufällige Verwendung? Sicher nicht.

Die  Regierung Türkis hat das Geschäft mit der Angst gelernt und verwendet sie als wesentlichen Motor ihrer Regierungs-Performance. Mit dieser Verknüpfung, dass die Gefahr nicht von einer Freikirche, sondern von einer ‚rumänischen‘ Freikirche ausgeht, wird sozusagen ein Denkcluster mit weitreichenden  Assoziationsketten geöffnet: Die Bedrohung durch Migrant*innen, Ausländer, Flüchtlinge, den Balkan, schlicht die Bedrohung durch das Fremde. Fließendes Hinübergleiten aus der zumindest bei uns schwindenden Bedrohung durch Covid-19 in das Brackwasser vorcoronarer  türkiser Angstpolitik.

Stephan

Sonnen-Lockdown

Corona nennt man auch die extrem heiße äußere „Atmosphäre“ der Sonne, die mit freiem Auge nur während einer totalen Sonnenfinsternis sichtbar wird. Man könnte also sagen, während eines Lockdowns durch Verdunkelung des eigentlichen Sonnenkörpers.

Die Verdunkelung des Wirtschaftskörpers, der die Energie für unsere Konsumgesellschaft liefert, hat etwas anderes sichtbar werden lassen: Es geht auch anders. Wir können auch ohne ständiges shopping leben, ohne dauernd Dinge einzukaufen, die wir bei genauerem Hinsehen eh nicht benötigen. Die vielfach beschworene Formel ‚wir müssen das (neoliberale) System am Laufen halten, sonst geht die Welt zugrunde‘ wurde als falsch demaskiert.

Wobei die aktuelle Erkenntnis eher lautet: Es würde auch anders gehen. In Europa und anderswo befleissigen sich Politik- und Wirtschaftstreibende, das alte Rad anzukurbeln. Mehr vom Gleichen soll die Welt wieder in Schwung bringen. Obwohl alle wissen, wenn wir bei dem bleiben, wie wir es bisher gehalten haben, Wachstums- und Gewinnmaximierung um jeden Preis, führt das unweigerlich in die Katatstrophe. Dann aber eine Katastrophe von kaum vorstellbaren Ausmaßen.

Rund um die Welt ertönen die Posaunen. Die Krise wird dauern. Gut so. Solange die Krise andauert können wir ihre Chancen wahrnehmen. Beruhigend: Krisen sind zeitbegrenzt, eine Krise geht vorbei. Wie wir daraus hervorgehen werden, ob mit andauernder Zerstörung der Ressourcen unserer Erde, oder mit erd- und menschengerechten Konzepten für die Wirtschaft und einem neuen natur- und menschverbundenem Lebensstil – das liegt jetzt in unseren Händen.

Stephan

Coronazän

Ein Geschmack von Sommer heute. Gott sei Dank kein Corona, sonst könnt‘ ich’s nicht schmecken. Alle tummeln sich am Flußufer, auf den Stegen der Alten Donau, drängen nach draußen, demaskiert und ohne Abstand. Leben, wie wir es von davor kannten. Neue Zeitrechnung? Vor und nach Corona-Geburt? Muss es wirklich so anders werden? Der Begriff der neuen Normalität schwirrt schon länger durch die Gegend. Demnach wäre nach Corona eine andere Normalität als davor, also eine andere Zeit, eine neue.

Nicht lange her, dass das Anthropozän definiert wurde, kommt jetzt schon eine neue Zeitendefinition dazu? Das Coronazän? Übersät von Regeln und Vorschriften, Verhaltensanweisungen und zum Alltag gewordener digitaler Überwachung, ‚Tools am Rande der Demokratie‘ sind dann ganz normal? Oder vielleicht postnormal, entnormalisiert, mit einem kurzen Blick auf das Chaos hinter diesem Regel-Vorhang, im Organismus Mensch und im Organismus Erde, innen und außen, schemenhaft die apokalyptischen Reiter am Horizont. Vorboten von Gajas Rache? Klimaregime, nur welches? Von außen zuerst und jetzt auch in uns eingedrungen von innen heraus. Kein Entkommen? Wir brauchen eine starke Regierung.

Gajas Rache? Apokalypse? So ein Blödsinn. Wo denn? Medizinisch gesehen müssen Impfstoff und Medikamente her, epidemisch gesehen braucht es Instrumente, um Infektionsverläufe rasch nachvollziehen zu können und politisch gesehen braucht es viel Aufklärung, damit die Maßnahmen verstanden und akzeptiert und wenn nötig auch gegen Widerstand durchgesetzt werden.

Keine reitenden Vorboten. Und schließlich: Wir haben uns den Wohlstand hart erarbeitet, haben eine schöne Welt geschaffen. Ob eine schöne neue oder eine schöne alte, egal. Die lassen wir uns nicht so schnell nehmen, wir haben sie uns verdient. Good old europe wird leben, mit oder ohne Wasser, Luft und Boden, mit oder ohne Viren und Verseuchungen. Unsere Wissenschafter und Techniker werden Lösungen finden (kein ..*.. ).

Hast ja recht. Wir sollten uns keine Sorgen machen, uns geht’s ja gut hier. Lass es uns genießen. Und dann kann sie kommen, diese Apokalypse. Der werden wir schon zeigen, was Sache ist. Meine Erde gehört mir. Oder?

Stephan